Gedanken des Architekten
Günter Behnisch zur Gestaltung des Museums



Kontrolliertes Licht, kontrolliertes Klima, vielfältig brauchbare Räume, verschiebbare Wände ... All das gehört zum funktionierenden Museum. Das Museum Buchheim jedoch ist mehr, schon heute, und es wird später, wenn es sein neues Gebäude haben wird, an Ort und Stelle noch mehr sein.
Da ist z.B. der Ort, die Hirschwiese am Ufer des Starnberger Sees. Da ist die Gemeinde Bernried. Dort sind die großen alten Bäume, die Berge in der Ferne, die Wolken am Voralpen Himmel. Da ist das Grün, das Weiß, das helle Blau.
Da ist die besondere Stimmung. Und dort ist Lothar-Günther Buchheim mit Diethild Buchheim, deren Leben, sein Wirken, die Sammlungen, die Expressionisten - aber eben nicht nur diese. Dort sind die Förderer und Stifter, Freunde und Gegner, zahlreich, ein bunter Strauß durchaus nicht nur in einer Richtung ziehender Kräfte. Aus all dem soll ein Museum mit einem neuen Gebäude werden.
Die Hirschwiese in Bernried ist weit, umfasst von Bäumen. Dort wird das neue Museumsgebäude sein, zum See hinweisend, lang ausgestreckt, neugierig durch die alten Bäume am Ufer blickend. Quer in der zum Ufer abfallenden Wiese wird die Halle liegen, 100 Meter lang, schmal, durchsichtig, scheinbar offen; am Eingang oben ebenerdig, am See dann dreigeschossig; ein mehrgeschossiger Landungssteg, das Rückgrat des neuen Buchheim-Museums-Gebäudes.
Daran dann die Glieder des neuen Museums; die große Halle für die Wechselausstellungen, die Bereiche für die ständigen Ausstellungen, die Magazine und Werkstätten, die „Häuser“ für die Raritäten und für den Buchheim-Teil, auch Bereiche, die eher zur Landschaft gehören, in denen dann die Hirschwiese ausgestellt wird, ein Café, in Vortragssaal und manch anderes mehr.
Eine Anlage wird entstehen, vielfältig, interessant, abwechslungsreich, in sich geordnet, offen nach außen hin, bereit, mit der Landschaft sich zu verbinden. Im Inneren wird es grüne Räume geben und im Äußeren Skulpturen-Ausstellungsflächen. Architektur-Landschaft und Natur-Landschaft gehen ineinander über, bilden eine neue Gestalt.
Die Formen und Materialien des neuen Gebäudes sollen einfach sein, direkt - keinesfalls raffiniert. Ein Estrich-Boden z.B. wäre angemessener in dieser Anlage als wertvolle Bodenbeläge; Putzwände sind besser als Edelhölzer usf. Konstruktionen und Materielles werden nicht im Vordergrund stehen. Licht, Stimmungen, Raumzusammenhänge, Starnberger See, Rehwiese, Bäume, Himmel und zuerst natürlich die Sammlung Buchheim und die eigenartige Persönlichkeit des Sammlers und Künstlers.
Günter Behnisch (1922-2010)
Behnisch, Behnisch & Partner
im Oktober 1999




