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Texte

Buchheim über sein Museum – Feste fürs Auge

„Ich höre mich nicht gern Sammler nennen, bin ich doch eher ein Zusammenträger und Wiederausbreiter, recht eigentlich ein Kunst-Demonstrator mit missionarischem Tick: Ich will Ideen und Vorstellungen verdeutlichen anhand meiner Bilder und Sammlungsstücke - z.B. die, dass Kunst nicht im Vakuum entsteht, sondern immer aus Kunst kommt. Eine im Kontext mit dem 'Nucleus' meiner Sammlungen der Expressionisten zusammengetragenen vielen 'Nebensammlungen' sollen das ad oculos verdeutlichen ...

Seit ich Kunst zusammentrage, hat mich immer am meisten solche auf Papier interessiert - die Holzschnitte, Lithographien, Radierungen der Expressionisten zumal: Das vervielfältigende Element fand ich so reizvoll wie den besonderen, der Grafik immanenten Ausdruck. In meinem Wunschmuseum sollen deshalb Bilder und grafische Blätter in 'gemischter Hängung' an die Wände kommen. Einfach Bild neben Bild zu reihen, erscheint mir noch heute als stumpfsinnig.

Mein Museum soll mehr sein als ein gängiges Museum. Sehr viel mehr sogar. Ein 'Forschungszentrum Deutscher Expressionismus' soll dazugehören, außerdem ständig wechselnde Ausstellungen mit dem Generalthema Expressionismus und aus meinen 'Nebensammlungen', die in den Kontext eines erweiterten Expressionismusbegriffs gehören - also auch Kunst der Primitiven,Volkskunst und Trivialkunst. Ich will z.B. auch afrikanische Kunst und Kunst der Südsee aus meinen Beständen vorführen und jenes Entdeckungserlebnis nachvollziehbar machen, das einige der 'Brücke'-Maler hatten, als sie zum ersten Mal über die Schwelle eines ethnografischen Museums getreten waren. Ich will Zusammenhänge und Zusammenklänge nicht etwa mit den üblichen, verquasten Reden, sondern direkt deutlich machen. Ich dachte eben weniger an steißtrommlerische Systematik als an Feste fürs Auge. Die Museumsbesucher wieder aktiv sehen lehren, ihnen Seherlebnisse verschaffen - darauf soll es mir mehr ankommen als auf Belehrung ... “

Lothar-Günther Buchheim

HOLMEAD: KRUDE KÖPFE: Ausstellung vom 16. Juli bis 3. Oktober 2017