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Auf Dittis Blätterspuren

Münchner Wochenendzeitung - Samstagsausgabe vom 24.04.2003

Pressespiegel

Allein die Fahrt zum Buchheim Museum in Bernried ist schon ein Abenteuer für Kinder. Mit dem Museumsschiff überquert man in gut einer Stunde von Starnberg aus den Starnberger See. Danach ein kurzer Fußmarsch, den auch kleine Füße in einer Viertelstunde schaffen, entlang dem wunderschönen Bernrieder Uferweg und das Ziel ist erreicht. Wie ein stolzes Schiff ragt das prägnante Museumsgebäude von Günter Behnisch aus den grünen Wiesen des Parkes, den Wilhelmina Busch-Woods in den 30er Jahren anlegen ließ.

Die Empfangshalle ist licht und freundlich, an der runden Verkaufstheke geht es kaum zu, weil die meisten ihren Eintritt bereits mit dem Kombiticket für 16 Euro ( Schifffahrt und Eintritt für einen Erwachsenen) bezahlt haben. Der Gründervater des Museums, Lothar-Günther Buchheim, lässt die freie Wahl, gibt keine Hierarchie in seiner Sammlung vor. Die Architektur ist nicht geradlinig auf ein Zentrum ausgerichtet. Behnisch entwickelte einen vielgliedrigen, offenen und abwechslungsreichen Baukörper mit vielen Fenstern, Balkonen und Terrassen, jeder Weg führt in gänzlich unterschiedliche Gefilde. All das zu erleben ist ein Hochgenuß, bei der Kinderführung wird aber ganz bewusst auf den großen Rundgang durchs Haus verzichtet. Auch für einen geübten Seher, einen Profibildergucker, ist die Fülle der Sammlung an expressionistischen Highlights und volkskundlichen Schmankerln aus verschiedenen Kulturen eine Herausforderung, die am besten durch mehrmalige Besuche gemeistert wird.

Blätterworkshop

Die Kinder im Grundschulalter nehmen beim Blätterworkshop von Gabriele Hüttl an einer Erlebnistour teil, die ganz auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist, die im richtigen Maße fordert, fördert und unterhält und dabei das Wichtigste in der Museumspädagogik immer beachtet: die Neugier zu wecken und die Sinne zu schärfen. Es geht vorbei an Geschraubtem und Verschweißtem, den Metallgestalten von Siegfried Ulmer, einem Verzerrspiegel, der den Kindern einen ganz anderen Blick auf sich selbst schenkt als gewohnt, an den grellbunten PiPaPop-Plakaten Buchheims, an Tellern mit Plastikspeisen. Die Kinder tauchen ein in eine Welt der visuellen Appetithappen und lernen, sich dort zu orientieren. Im Raum der Blättercollagen werden die Fabelwesen, denen Diethild Buchheim aus allerlei Blättern und Blüten Leben verleiht, genau studiert. Buchheim erklärt selbst in einem liebevollen Essay, warum die Bilder seiner Frau im Museum ausgestellt sind: "Ditti zeichnet nicht besonders gut - und macht doch die allerschönsten Bilder, die man ihr längst aus den Händen gerissen hätte, wenn sie ihre Gebilde nicht hütete wie einen selbstgefundenen Schatz. Sie werden hier vorgeführt, damit andere sich ermutigt fühlen, auch Bilder zu machen, obwohl sie glauben, nicht malen oder zeichnen zu können. Jeder Mensch besitzt Ausdrucksvermögen, wie ich meine." Diese Stärkung des eigenen künstlerischen Ausdrucks wird bei den Kindern im Workshop gleich in die Tat umgesetzt. In den Wiesen rund ums Museum suchen sie Blätter, Gräser und Blumen.

Auf der Museumsterrasse mit Blick auf den Starnberger See folgt dann jeder seiner Intuition und legt Fabelwesen oder Fantasiepflanzen aus Löwenzahn, Margeriten oder anderem Gewächs. Hüttls Hilfe ist dabei unauffällig und einfühlsam. Mit genauem Zuhören und vorsichtigem Nachfragen geht sie auf den spontanen Impuls ein und verhilft so manchem unklaren Gedanken zu einer deutlichen Gestalt.

Programme im Museum

Alle Workshops im Museum sind immer mit Themen, die in den Sammlungen angelegt sind, verknüpft. Der nächste Workshop "Schwarz, Rot und Ocker. Die Farben Afrikas" mit Andrea von Martius findet am Samstag, dem 21. Juni von 14 bis 17 Uhr statt. Für die Ferien ist ein Sonderprogramm für daheimgebliebene Kinder geplant. Es soll einen "Südseesonntag", einen "Indonesiensonntag" und einen Sonntag zum Thema Papier geben. An diesen Tagen werden Vorträge für Erwachsene gehalten und Dokumentarfilme gezeigt. Kinder dürfen sich im Schattenspiel üben, Papier schöpfen oder mit den Bildern von Max Pechstein von der Südsee träumen.

Alle aktuellen Veranstaltungen sind unter www.buchheimmuseum.de zu erfahren, dort gibt es auch eine eigene Kinderseite. Mondscheinfahrten mit dem Museumsschiff "Phantasie" zu Aperitif und Abendführung können am 14. Juni, 19. Juli, 16. August und am 20. September unter Tel. 08158 / 99 70 0 gebucht werden, alle anderen Buchungen unter 08158 / 99 70 50. Der neue Fahrplan des Museumsschiffes ist unter Tel. 08151 / 120 23 zu erfragen.

NOLDE. DIE GROTESKEN: Ausstellung vom 23. Juli bis 15. Oktober 2017