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Bernried: Buchheim Museum zeigt Pablo Picasso

Es werde Licht

Münchner Merkur vom 13.10.2006

Pressespiegel

Ein Schraffur-Furioso in weicher, sandiger Dunkelheit. Ein Stakkato von Stab-Streifen, als seien die Körner vom Zen-Meister in Form gebracht worden. Für den 17. Oktober 1966 registrierte Pablo Picasso (1881-1973) "Im Atelier", eine Mischung aus Kaltnadelradierung (direkt in die Platte graben) und Aquatinta (Ätzung auf einer Platte, auf die Pulver gestreut und angeschmolzen wurde). Eine Mischung aus hart und weich. Dieses grandiose Blatt in der Ausstellung "Pablo Picasso" im Bernrieder Buchheim Museum beweist aufs Neue: Der Spanier überrascht einen immer wieder; stets bietet er irgendetwas, was man in seinem Werk noch nicht entdeckt hat.

Alle Möglichkeiten der Grafik wurden ausgeschöpft

Dabei begegnet einem "Im Atelier" nicht nur ein unbekannter alchimistischer Picasso, sondern auch der alte Könner. Der setzt in die Aquatinta-Finsternis lässig einen Maler an die Staffelei. In der totalen Einsamkeit des Schöpfers, der dennoch furchtlos wirkt, erheitern und erhellen große Gesichter, wohl Gesichte des Malers, das Blatt. Sie bilden sich aus jenen von Picasso so geliebten Kringel-Linien, die an sich schon Fröhlichkeit ausstrahlen. Der Künstler erspielt sich hier mit grafischen Verfahren die Wahrheit des Schöpfungsakts: Es werde Licht. Und dieses Licht funkelt bei Picasso immer ein wenig ironisch, wie man den vielen anderen Arbeiten auf Papier zum Thema Maler und Modell entnehmen kann. Da geht es in unzähligen Varianten und Ausdrucksformen um die spezielle Erotik zwischen Vorbild, Abbild und dem Abbildenden.

Die Sonderausstellung präsentiert in dem ansonsten den Expressionisten vorbehaltenen großen Saal etwa 160 Lithografien, Radierungen, Linolschnitte und Buchillustrationen seit den späten 1920er-Jahren bis 1972. Ergänzt wird die Schau von Fotografien Lothar-Günther Buchheims aus dem Paris der Kriegs- und Nachkriegszeit, als er auch das Atelier Picassos in einer kleinen Seitenstraße aufnahm. Aus den "berühmten Mappenschränken der Buchheims" konnte Kuratorin Clelia Segieth außerdem viele wunderschöne Picasso-Plakate beibringen. Zum Teil Raritäten (kleine Auflage), die schlaglichtartig alle Phasen und Stile des Genies vergegenwärtigen.

Wie alle anderen Gattungen auch erarbeitete sich Pablo Picasso die Grafik bis in die äußerste Möglichkeit. Hilfe bekam er dabei von der exzellenten Druckwerkstatt Fernand Mourlot, die auf all seine Ideen - er überarbeitete zum Beispiel die Drucksteine immer wider - einging. Verschiedene Zustände eines Motivs machen das in der Exposition am Starnberger See deutlich. Berühmtes begegnet einem da wie die schönen, klaren Mädchenantlitze, der Minotaurus, die Faune, Friedenstauben oder Ziegenschädel. Aber auch Erschütterndes wie die comicartig aufgebaute Bildergeschichte "Traum und Lüge Francos".

Obwohl Picasso in den Schwarz-Weiß-Abstufungen der Grafik schwelgte, sind auch seine Farb-Lithos spannend. Er scheint die Teilflächen manchmal fast plastisch wie Scheiben aufeinander zu legen.

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