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Renovierungsarbeiten in Villa Maffei abgeschlossen

Von Krokodilstränen und Rennpferden

Münchner Merkur vom 15.05.2007

Pressespiegel

Feldafing. Es gibt mindestens drei Gründe, in nächster Zeit an einem Wochenende mal in die Villa Maffei zu schauen. Erstens sind die Renovierungsarbeiten an dem Gebäude, die unumgänglich waren ? eine neue Dacheindeckung und ein frischer Anstrich im Wohn- und Ausstellungsbereich - nun abgeschlossen, so dass allein die Besichtigung der Villa, die der renommierte Architekt Emmanuel Seidel 1901 für den Neffen des Industriellen Johann Anton Maffei entworfen hat, ein Besuch wert ist.

Zweitens wurde zusätzlich der Park auf Vordermann gebracht, wobei die Buchheim Stiftung, die über ein Nutzungsrecht des staatlichen Anwesens verfügt, die Rosenbepflanzung finanziert hat. Drittens eröffnete die Kuratorin des Buchheim Museums, Clelia Segieth, nun eine Ausstellung, die eine ganz neue Facette des kürzlich verstorbenen Feldafinger Sammlers ans Tageslicht holt.

Dass er malte, zeichnete, Kunstbücher und Romane schrieb, fotografierte und besessener Sammler war, ist hinlänglich bekannt. Dass der als Polterer verschriene Kunstsammler aber auch liebenswerte Kinderbücher schrieb, dass er zusammen mit seiner Frau Diethild in Frankfurt 1951 den Buchheim Verlag gegründet hat und diesen dann in Feldafing mit großem Erfolg führte, das wissen nur noch "alte" Feldafinger und Buchheim-Kenner.

Kinderbücher, Kunstpostkarten, Kunstkalender - Buchheims untrüglicher Blick für Herausragendes

Buchheim verlegte alles, was ihm gefiel, und wo die Qualität stimmte. Ein besonderes Anliegen schienen ihm die Kinderbücher in den 50er und 60er Jahren gewesen zu sein. Kaum verwunderlich also, dass Buchheim mit seinem untrüglichen Blick für Herausragendes schnell Illustratoren fand, die später preisgekrönt wurden. Eine Reihe von Kinderbüchern, die das Ehepaar Buchheim Anfang der sechziger Jahre herausbrachte, sind Lizenzausgaben Ostberliner Verlage. Fred Rodrians "Wolkenschaf" etwa wurde von dem bekannten Grafiker Werner Klemke illustriert, ein Titel, der als "Schönestes Buch 1957" in der DDR gefeiert wurde.

Das Besondere an der Ausstellung in der nun als "Dependance des Buchheim Museums" bezeichneten Villa Maffei ist das Konzept von Clelia Segieth, die an "begehbare Kinderbücher" gedacht hat. Jeder Raum widmet sich einem Buch, das entweder in Originalgrafiken mit beigehängtem Textteil oder mit gedruckten Einzelblättern der jeweiligen Bücher an den Wänden präsentiert wird. Schaukästen mit Originalbänden, mit Linolschnitten zu den Grafiken, mit alten Verlagsprospekten oder Leserbriefen runden die Schau ab und machen die Zeit lebendig.

Zu den Perlen der Ausstellung gehört das erste Kinderbuch, das die Buchheims verlegt haben. 1956 erschienen die "Krokodilstränen" von André François, ein in Frankreich lebender rumänischer Künstler. Verpackt wurde die Story passend zum Krokodil in ein ungewöhnliches Längsformat von Griffelschachtelgröße mit Pappschuber, der sich hervorragend zum Krokodilefangen in langweiligen Schulstunden geeignet hat. Daran wie auch an den anderen gezeigten Bilderbüchern, die man beim Anschauen auch gut schnell durchlesen kann, lässt sich ablesen, dass es Buchheim inhaltlich eher um eine Schule der Fantasie und nicht um Erziehung zum Gutmenschen ging.

Francois schuf auch die Grafiken zum Kinderbuch "Roland", die in ihrer reduzierten Farbigkeit von einer verspielten Ornamentik der Bildgestaltung leben. Aber auch die anderen Grafiker - Julius Himpel, Wiltrud Roser, Trickfilmzeichnerin der UFA, oder die mit dem Jugendpreis ausgezeichnete Marlene Riedel - bezeugen BuchheimsGabe, charaktervolle Künstler zu verpflichten, die über eine individuelle und künstlerisch hochwertige Bildsprache verfügten.

Ein dicker Gärtner mit dem Herz am rechten Fleck

Zu erwähnen sind noch die beiden Kinderbücher aus der Feder von Buchheim selbst. "Onkel Max" (1961) erzählt liebevoll von Bauspekulanten, die einem Künstler Kopfzerbrechen bereiten. Sein zweites Kinderbuch "Jackie, das Rennpferd" erzählt von einem dicken Gärtner, der das Herz am rechten Fleck hat. Beide Bücher wurden von Julius Himpel illustriert.

"Roland", "Onkel Max" und "Das Wolkenschaf? ... Illustrationen und Kinderbücher aus dem Buchheim Verlag ist noch bis zum 7. Oktober in der Villa Maffei, Seestraße 4, in Feldafing zu sehen. Geöffnet ist samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung.

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