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Lehrreich und fröhlich zugleich

Pop Art mit Buchheims Orangenpapierchen

Starnberger Merkur vom 02.06.2008

Pressespiegel

"Ich greife just nach den bunten Papieren, um die üblichen, vorwurfsvollen Reden zu entkräften: Ja, wer heutzutage sammeln will, der braucht Geld, Geld und nochmals Geld." So beschreibt Lothar-Günther Buchheim 1974, wie er einen der skurrilsten Teilbereiche seiner Sammlung präsentiert: Es sind Hunderte von bunten Seidenpapierchen, die einst Orangen umhüllten.

Zwischen selbstgemachten Albumdeckeln zog er jene Spezies von Grafik hervor, die er im besten Sinne als Pop Art definierte. Jetzt hat sie die Maffei Villa in Feldafing erneut abgestaubt, in schlichte Rahmen gepackt, und mit allerlei Ideen zur Geschichte der Orange ergänzt. Eine "Orangerie" und ein "Obstsalat"-Reigen ergänzen die üppige, fröhliche und lehrreiche Ausstellung, die das Buchheim-Museum in der Zweigstelle installiert hat.

Buchheim selbst war zwar zu seiner Sammelzeit in den 1950er bis 70er Jahren schon aus den Kinderschuhen heraus und nicht mehr ganz in dem Alter, mit den Comics, Märchen und Fernweh-Motiven ein Tauschgeschäft aufzumachen, dennoch strich er sorgfältig alle Seidenpapiere glatt, die den Weg in die Feldafinger Küche fanden. "So viel Liebe auch der italienische, spanische oder griechische Fruchtexporteur, ihre Entwerfer und Drucker auf die Bildchen verwendet haben, so achtlos wandern sie hierzulande in die Abfallkörbe", entrüstete er sich. "Modern Art", Gebrauchsgrafik und Spiegel der Gesellschaft sind jedoch die Anti-Schimmel-Blättchen, die thematisch mit Märchen und antiken Helden, mit exotischen Tieren und deutschem Fußball, mit Münchner Kindl und exotischen Schönheiten auf eine Kooperation der nördlichen Händler und südlichen Hersteller verweisen.

Diese seltsame Kombination faszinierte Buchheim so sehr, dass er sich einen italienischen Fachmann suchte, der ihm die Ausmaße der hauchdünnen Werbung erklärte: 60.000 Kilo Papier wurden für einen Großauftrag gebraucht, auch wenn nur zwischen 14 bis 17 Gramm Papier pro Frucht verwendet werden. Die ersten Einwickelpapiere entstanden vor hundertfünfzig Jahren und verhinderten, dass die Hälfte der Früchte auf dem Transport verdarben. Dass sie perfekte Werbeträger sind, entdeckte man ab Ende des 19.Jahrhunderts. Dass sie durchaus auch ein Stückchen Kunst sein können, kapierten Buchheim und einige Sammler dann vor 50 Jahren: früh genug, bevor die meisten Papiere von anderen Lagerungssystemen ersetzt wurden.


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