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Ein Sommer ohne Ende

Bayernkurier vom 27.08.2011

Aufbruch in Natur und in Moderne: Badeszenen der „Brücke“ im Buchheim-Museum

Pressespiegel

Bernried – Unbeschwerte Tage dürften das gewesen sein: die Temperaturen sommerlich warm, der große Krieg noch längst nicht in Sicht, die Künstler untereinander freundschaftlich verbunden, die Landschaft idyllisch und die bürgerlichen Konventionen zumindest für den Moment weit weg.

Auch die Herausforderung der großen, hässlichen, prächtigen Stadt Berlin war an die Jungkünstler noch nicht herangetreten. Kirchner, Erich Heckel und Co., kurz: die Maler der „Brücke“, fanden vorerst an den Moritzburger Teichen nahe Dresden, im Nordseedorf Dangast und auf der Ostseeinsel Fehmarn ideale Bedingungen für ihre Arbeit. Dort fingen sie unermüdlich den Sommer in leuchtenden Farben ein, mit einer arkadischen Atmosphäre, in der sich Mann und Frau unverstellt zeigten, nackt, unverbildet und ohne Pose, Mensch und Natur versöhnt. „Wir Malersleute zogen frühmorgens mit unseren Geräten schwer bepackt los“, erinnerte sich Brücke-Künstler Max Pechstein, „hinter uns die Modelle mit Taschen voller Fressalien. Wir lebten in absoluter Harmonie, arbeiteten und badeten. Fehlte als Gegenpol ein männliches Modell, sprang einer von uns dreien in die Bresche.“

1905, mitten in der pompbedürftigen Zeit Wilhelms II., hatten sich die Studenten Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl in Dresden zur „Brücke“ zusammengeschlossen. Sie wollten abbilden, was im Innersten zum Schaffen drängte und wählten sich – ganz im Sinne Nietzsches – Leib und Leben, das Hier und Jetzt ohne „metaphysische Hinterwelten“ zum Gegenstand. Für die zugeknöpften Zeitgenossen bedeutete die von Küsten und Teichen ausgehende farbige Revolution einen Tabubruch. Da fühlte sich schon mal die Staatsgewalt herausgefordert: Ein Gendarm stellte „gröbliche Versündigung gegen die Sittlichkeit“ fest.

In Bernried ist in der Ausstellung „Sommerfreuden – Badefreuden“ ein weitgehend unbelasteter Zauber längst vergangener Tage nachzuempfinden. Ein Tipp in diesem unseren trüben Sommer, der so gar nicht an jenes unbeschwerte Malerdasein denken lässt. Und es gibt erstmalige Einblicke: Erich Heckels berühmter „schlafender Pechstein“ ist eigentlich nur die Rückseite eines anderen Gemäldes: zwei Badende, die nunmehr zu betrachten sind. Auch hinter Kirchners „Freunden im Gespräch“ verbirgt sich ein anderes Werk: eine nicht vollendete Dünenlandschaft.

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