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Bronze-Plastiken, die zum Tanz bitten

Münchner Merkur vom 17.09.2012

Das Buchheim Museum zeigt Meera Mukherjees Figuren

Von Freia Oliv

Pressespiegel

Diese Ausstellung gleicht der Aufforderung zum Tanz: rund um die Bronzen, quer durch den Saal, dem Rhythmus und den Perspektiven der Figuren folgend. Denn es ist unbedingt nötig, die knapp 40 Skulpturen von allen Seiten zu betrachten: Die Bildhauerin Meera Mukherjee (1923-1998) war nämlich eine Grenzgängerin in mehrfacher Hinsicht. Sie brachte Bayern und Indien, Ober- und Unterschicht sowie Kunst und Handwerk zusammen. Ihre „Welt in Bronze“ ist jetzt im Buchheim Museum Bernried zu sehen.

Wie inszeniert man nun einen solchen Dialog der Kulturen, den Mukherjees langjähriger Berater Georg Lechner, Leiter mehrerer Goethe-Institute, angeregt hat? Klassisch-respektvoll, künstlerisch-puristisch, ethnologisch-erklärend? In Bernried haben sich die Kuratoren für eine sehr visuelle Schau ganz im Sinne einer bewusst lockeren Grenzüberschreitung entschieden. Alles Übrige haben das indische Kulturamt, die Akar-Prakar-Galerie Kalkutta und das Indien-Institut München erledigt, die in den nächsten Monaten 60 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen dem Subkontinent und Deutschland feiern.

Mukherjees preisgekröntes Werk kehrt mit dieser Schau erstmals wieder nach Deutschland zurück: Die Künstlerin hatte in den Jahren 1953 bis 1956 im Rahmen eines Stipendiums an der Kunstakademie in München studiert – wohlgemerkt mit 30 Jahren und bestens ausgebildet. Vor allem Toni Stadler und Heinrich Kirchner prägten die Bildhauerin maßgeblich in jener Zeit. Und dennoch war es genau hier, wo Mukherjee ihre indische Tradition in ihre eigene Figurensprache übersetzte: „Ich war Angehörige eines Landes, das ebenfalls eine große Tradition ihr eigen nannte. Es war eine Tradition, die mich tausendfach geformt hatte. So konnte ich mit meinen Wurzeln in der großen indischen Tradition zu mir selbst finden, obwohl ich damals gerade im Westen lebte, lernte und mich weiterbildete“, erinnerte sie sich später.

So ist nur teilweise etwas von der Blockhaftigkeit und der Glätte der deutschen Fünfzigerjahre-Kunst zu entdecken. Hauptsächlich beeindruckt ihr Werk durch eine unglaubliche Leichtigkeit, die die Inderin der Bronze abgewonnen hat. Um dies zu erreichen, ging sie lange in die Lehre der indischen Kunsthandwerker. In Bernried scheinen sich nun die Tänzer und Musiker von den Sockeln zu lösen, um ein Konzert zu geben. Extrem ornamental, mit vielen Linien der Bewegung folgend, oder in sich ruhend, mit nur leicht schwingender Oberfläche stellte Mukherjee den Rhythmus dar.

Es fällt auf, dass schon in den frühen Arbeiten sowohl eine spirituelle wie auch eine naive Komponente angelegt sind. Die Tänzer sind mitunter Meisterwerke an filigraner Balance, die ekstatisch eine Brücke bilden, vielarmig ihre Religion verkörpern.

Meera Mukherjees Interesse galt der bengalischen Baul-Gemeinschaft, deren Mitglieder zum größtenteil kastenlos sind und die deswegen eine Randstellung im Hinduismus innehaben. Für die Baul-Gemeinschaft spielt die Musik eine zentrale religiöse und gesellschaftliche Rolle. Dieses Flüchtige und das Geistige ist in der federleichten Inszenierung der Bernrieder Schau zu spüren. Auch die vielfigurigen Netzwerke des einfachen Arbeiterlebens sind nachvollziehbar. Die komplexen Themen und die Erzähl-Blöcke bleiben dann dem eigenen Wissensdurst überlassen.

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