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Eröffnung des Museums der Phantasie

Grußwort von Staatsminister Dr. Hans Zehetmair

Grußwort des Bayerischen Staatsministers für Wissenschaft, Forschung und Kunst


Pressemeldung, 23.05.2001

Heute ist der von vielen - auch von mir selbst - mit Spannung erwartete Tag gekommen: Das Museum der Phantasie, kurz: das Buchheim-Museum, wird feierlich eröffnet. Damit wird für das kulturelle Leben in Bayern ein ganz spezieller Markstein gesetzt; zugleich findet das lange Ringen um die Präsentation der Sammlungen des Autors, Künstlers und Kunstsammlers Professor Lothar-Günther Buchheim seinen Abschluss.

Der Weg des Projekts bis zur heutigen Eröffnung war wahrhaftig lang, mitunter verschlungen und - um in der Sprache der Seefahrt zu sprechen - von Untiefen gesäumt. Diese zu umschiffen, forderte allen Beteiligten manches ab. Aber man muss eine Schlacht oft mehr als einmal schlagen, um sie zu gewinnen. Diese Schlachten hat L.-G. Buchheim in der Tat gewaltig geführt, und er wäre nicht Buchheim, wenn es nicht so wäre. Mit dem schließlich gefundenen, einmaligen Standort hier in Bernried, direkt am Ufer des Starnberger Sees, der Sicherstellung der Finanzierung des Projekts und der Bereitschaft des Ehepaars Buchheim, die Sammlungen in die nach ihnen benannte Stiftung einzubringen, waren die Eckpunkte für die Verwirklichung geschaffen.

Das von Professor Behnisch entworfene architektonische Kunstwerk bildet den idealen Rahmen für die Präsentation der Buchheimschen Sammlungen, denn damit nimmt bereits ein wesentlicher Gesichtspunkt des Museums der Phantasie - die Verbindung von Kunst und Natur - Gestalt an. Die herrliche Lage am Seeufer, der in das Wasser hineinragende Steg und der Blick auf See, Landschaft und Berge sind einzigartig und - wie Sie, lieber Herr Buchheim, es ausgedrückt haben - "erhaben".

So wird bereits von dem Gebäude mit seiner Einbettung in die Umgebung ein Teil von dem geleistet, was sich das Museum der Phantasie insgesamt auf die Fahne geschrieben hat: Den Menschen aus der Enge und Befangenheit des Alltags herauszuführen und mit neuen Empfindungen und Eindrücken zu bereichern. So erscheint der Museumsbau ohne Übertreibung als "bauliche Eintrittskarte zur Kunst", ein Attribut, mit dem einer Museumsarchitektur größtes Lob gezollt wird.

Mit dem Bau und den darin präsentierten herausragenden Sammlungen expressionistischer Malerei - vor allem der "Brücke" - sowie den vom Stifterehepaar zusammengetragenen Kuriositäten und Objekten der Volkskunst aus aller Welt entstand ein Gesamtkunstwerk, das einer besonderen Konzeption folgt und das Lebenswerk und die Persönlichkeit Lothar-Günther Buchheims widerspiegelt.

"Phantasie ist wichtiger als Wissen", hat Albert Einstein gesagt, und Goethe zum gleichen Thema festgestellt "Armer Mensch, an dem alles Kopf ist". Kluge Lebensweisheiten!

Mit den gezeigten Ausstellungen im Museum der Phantasie sollen neue Sichtweisen erschlossen, "Augen geöffnet" und nur allzu oft vorhandene unsichtbare Grenzen der Wahrnehmung überschritten werden. So wurzelt das Konzept für das Museum der Phantasie in der Geisteswelt des Expressionismus, deren herausragende Vertreter ja einen anti-bürgerlichen Lebensstil pflegten, die Nähe zur Natur und den ursprünglichen Kunstformen suchten und eine ganz neue, von Normen unabhängige Form der Malerei schufen.

So wird hier in vielerlei Hinsicht zusammengeführt - oder besser: Wieder zusammengeführt - was durch die oft übertrieben analytische Sichtweise unserer Zeit getrennt war: Museum und Natur; Naturschönes und Kunstschönes; so genannte hohe Kunst und so genannte Volkskunst. Gerade in der Volkskunst Afrikas und Polynesiens sind ja wichtige Wurzeln des Expressionismus zu erblicken, die durch die gemeinsame Ausstellung augenfällig werden. Diese Wurzeln sichtbar zu machen, bisher "Übersehenes" ins Blickfeld und ins Bewusstsein zu rücken sowie beim Besucher die Bereitschaft zur Entdeckung anderer und neuer Sichtweisen zu wecken, ist - so wie ich es verstehe - ein Kernanliegen des Museums der Phantasie. Auch die Art und Weise, wie dies geschehen soll, unterscheidet sich nicht wenig von anderenorts verfolgten Ansätzen, die oft auf belehrend wirkender Wissensvermittlung beruhen. Diesen konventionellen Konzepten stellt das Museum der Phantasie ein unmittelbares Wahrnehmen "durch das Auge" entgegen, wodurch der Besucher "zum Sehen gebracht" werden soll - eine Fähigkeit, die uns in der Zeit der Reizüberflutung durch die häufig zum sofortigen Konsum bestimmten modernen Medien mehr abhanden gekommen ist, als uns bewusst ist.

Das Museum der Phantasie durchbricht Barrieren auch insoweit, als verschiedene Kunstgattungen - wie Malerei und Grafik - nicht, wie anderenorts gewohnt, getrennt, sondern gemischt gezeigt werden. Hierdurch ergeben sich besondere Anforderungen etwa an die Beleuchtung, die nicht einfach zu lösen waren. Überhaupt stellte die Inneneinrichtung des Hauses eine besondere Herausforderung dar: Galt es doch zum einen, dem architektonischen Rahmen gerecht zu werden und andererseits die Gestaltungsideen von Lothar-Günther Buchheim zu verwirklichen. Nicht zuletzt dank dem mit der Inneneinrichtung beauftragten Johannes Segieth ist das jedoch schließlich bewerkstelligt worden.

Ich denke, dass ich Herrn Professor Buchheim nicht zu nahe trete, wenn ich sage, dass seine Persönlichkeit zahlreiche Ecken und Kanten aufweist, die das Projekt über seine gesamte Entstehungszeit geprägt und auch von den mit der Verwirklichung des Vorhabens Betrauten ein hohes Maß an einfühlender Anstrengung abverlangt haben. Und Ausdauer braucht man auch, wenn man mit dem Phänomen Buchheim zu tun hat.

Seine Persönlichkeit findet sich auch in den Sammlungen, die Lothar-Günther Buchheim ohne die Bindungen, denen öffentliche Sammlungen gemeinhin unterworfen sind, im Laufe seines Lebens zusammengetragen hat: Dies gilt im selben Maße für die volkskundlichen Objekte wie auch für die expressionistischen Werke, wodurch das Museum der Phantasie einen so singulären Charakter erhält.

Das Museum, dessen Eröffnung wir alle mit so viel Spannung erwarten, ist jedoch nicht nur das Museum eines Kunstsammlers, sondern das Museum eines Künstlers. Von den zahlreichen eigenen Werken Buchheims - Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen - werden wir heute jedoch keine zu sehen bekommen: Die in diesem Punkt ausgeprägte Bescheidenheit Lothar-Günther Buchheims hielt ihn davon ab. Ich meine, diese Entscheidung verdient Respekt - gleichwohl hoffe ich, dass auch die eigenhändigen Werke des Künstlers Buchheim zu einem späteren Zeitpunkt in der Ausstellung gezeigt werden: In ein Buchheim-Museum gehört auch Buchheim.

Mit der Errichtung des Museumsgebäudes unterstreicht der Freistaat Bayern den hohen Stellenwert, der insbesondere der modernen Kunst für Bayern zukommt. So hat sich der Freistaat in Wahrnehmung seiner kulturpolitischen Verantwortung bei der Verwirklichung des anspruchsvollen Museumsprojekts erheblich engagiert und auch die bauliche Errichtung übernommen. Die weitgehende Finanzierung des insgesamt über 40 Mio. DM umfassenden Vorhabens aus staatlichen Mitteln wurde dabei durch die Erlöse aus der Privatisierung von Staatsbeteiligungen ermöglicht. Damit leistet der Freistaat einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der vielfältigen Kulturlandschaft und bekennt sich einmal mehr zu seinem Selbstverständnis als Kulturstaat. Gerade was die Präsentation der modernen Kunst anbelangt, haben wir in den letzten Jahren bereits durch das Neue Museum - Staatliches Museum für Kunst und Design - in Nürnberg sowie durch die Pinakothek der Moderne in München Zeichen gesetzt. Zeichen, die verdeutlichen sollen, dass der wirtschaftliche und soziale Erfolg unseres Landes, die Spitzenleistungen in Forschung und Industrie nicht gedeihen können ohne ein reichhaltiges kulturelles Umfeld, das Impulse gibt und geistige Anregungen.

Ich bin deshalb davon überzeugt, dass die Investition in das Museum der Phantasie nicht nur eine Bereicherung der Museumslandschaft darstellt, sondern auch die Aufgeschlossenheit des Freistaats gegenüber neuen Ideen zum Ausdruck bringt.

Dank gebührt an erster Stelle den Stiftern Professor Lothar-Günther Buchheim und seiner Frau Diethild. Der Gemeinde Bernried und Herrn Bürgermeister Eberl danke ich für die freundliche Aufnahme, nachdem für das Projekt - wie Sie alle wissen - ein neuer Standort gesucht werden musste und hier gefunden wurde. Ebenso danke ich Prof. Behnisch für sein architektonisches Meisterwerk und allen, die an dem komplexen Vorhaben mitgewirkt und ihren Beitrag geleistet haben: Der Landesversicherungsanstalt Oberbayern für die Überlassung des schönen Baugrundstücks im Wege des Erbbaurechts, Herrn Segieth für die Einrichtung, der Bauverwaltung, den geleisteten mäzenatischen Beiträgen und selbstverständlich dem Bayerischen Landtag, der die erforderlichen Mittel bewilligt hat. Und besonders danke ich unserem Ministerpräsidenten, dem Motor des Museums.

Ich wünsche Ihnen allen eine anregende Besichtigung der Ausstellung und des Hauses, dem Museum der Phantasie viel Erfolg und eine weite Ausstellungswirkung und Ihnen - liebes Ehepaar Buchheim - alles Gute für die Zukunft!

(Es gilt das gesprochene Wort.)

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