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100 Jahre Künstlergemeinschaft "Brücke"

Meisterwerke aus der Sammlung Buchheim, 19.02. bis 25.09.2005

Pressemeldung, 17.02.2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

obwohl das Buchheim Museum das ganze Jahr über hochkarätige Gemälde und Graphiken deutscher Expressionisten zeigt, ist dennoch eine Steigerung möglich.

Vom 19. Februar an werden nun, anlässlich des 100jährigen Gründungsjubiläums der Künstlergemeinschaft "Brücke" (1905-1913), deren Kunst die Anfänge der Moderne und zugleich des Expressionismus in Deutschland markiert, die größten Kostbarkeiten aus den Depots geholt: Farbenprächtige, spontan niedergeschriebene Aquarelle, Kreide-, Bleistift- und Tuschzeichnungen sowie rare Graphiken von den "Brücke"-Mitgliedern Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, Emil Nolde, Max Pechstein und Otto Mueller, die aus konservatorischen Gründen nur selten und zu besonderen Anlässen gezeigt werden können.

Nach der desaströsen Zerstörungswut der Nationalsozialisten, welche die gesamte Moderne und damit auch die "Brücke"-Maler und deren Schaffen als "entartet" diffamierten und viele Werke vernichteten, und den Bombardierungen der Ateliers der "Brücke"-Maler während des II. Weltkrieges, bei denen ein Großteil der Werke von Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff vernichtet wurden, stellen die nun im Buchheim Museum gezeigten Arbeiten größte Raritäten der Kunst des 20. Jahrhunderts vor. Hinzu kommt, daß sich die Bestrebungen der jungen "Brücke"-Maler, die "unmittelbar und unverfälscht" wiedergeben wollten, "was sie zum Schaffen drängt", im Aquarell und in der Zeichnung, aber auch in der Druckgraphik, insbesondere in dem von ihnen wiederentdeckten Holzschnitt der Inkunabel-Zeit, wie in einem Brennspiegel fokussieren.

Neben Noldes in sattem Rot erstrahlenden "Mohnblumen" sind besonders die Werkkomplexe mit Arbeiten von Kirchner aus der Dresdner, Berliner und Davoser Zeit hervorzuheben sowie Heckels spontan niedergeschriebene Darstellungen von Akten im Atelier und an den Moritzburger Teichen, wo die "Brücke"-Maler seit 1909 im Sommer in freier Natur arbeiteten. Schmidt-Rottluffs großflächige Aquarelle bilden einen spannungsreichen Kontrapunkt zu Heckels feinerem, auf kleinere Formate konzentrierten Duktus und Kirchners nahezu grenzenloser Experimentierfreude. Einzigartig sind auch Kirchners Varieté-, Tanz- und Zirkusszenen, vor allem die rare Farblithographie "Rapphengst, Reiterin und Clown" (1909).

Die Neukonzeption des großen Expressionistensaales wird durch Textauszüge aus Lothar-Günther Buchheims Monographie über die Künstlergemeinschaft "Brücke" ergänzt, die bereits 1956 erschien und noch heute als Standardwerk zu der am 7. Juni 1905 gegründeten Künstlergruppe gilt. Damit möchte die Präsentation zum 100jährigen Jubiläum von "Brücke" auch den Kunstbuchautor Lothar-Günther Buchheim in den Blickpunkt der Öffentlichkeit rücken. Kein geringerer war es als der Kunsthistoriker und Leiter der Documenta VI und VIII Prof. Dr. Manfred Schneckenburger, der 1985, anläßlich der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Lothar-Günther Buchheim, dessen Verdienste als Autor von Kunstbüchern und Verleger im Kontext der Forschungen zur Kunst des 20. Jahrhunderts und zum Expressionismus würdigte:

"Das ist es, was Buchheims Recherche, Deutung, Schreibe auflädt und elektrisiert: Die Kristallisation der schöpferischen Gruppen - "Brücke, Blauer Reiter" - , schöpferischen Individuen und - in seinem vielleicht schönsten Buch, nein, buchkünstlerischen Werk, der schöpferischen Ausdrucksform, die sich in der Druckgraphik konzentriert. Zwischen generösen Überblicken und verbrämten Ressentiments liegen diese Bücher wie Fundamente fest. Sie sind gründlich recherchiert, arbeiten Rückstände auf, bilden eine - allzu rasch vergessene - Basis für den nächsten Schritt. Mehr noch: mit einem Mal gewannen "Brücke" und "Blauer Reiter", Beckmann und Mueller eine fast leibhaftig greifbare künstlerische Präsenz. Nicht nur, daß Buchheim unzählige neue Informationen ausgrub, Bilder entdeckte, Fehlmeinungen korrigierte: Blickwinkel und Methode schlagen einen direkten Zugang zum Künstler in seiner Zeit. Auch wo Buchheim gräbt und bohrt, wühlt er sich nirgends sichtbar im Archivstaub ein. Eines seiner großen Verdienste im "Blauen-Reiter"- Buch war die erste Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Macke und Marc: Anstelle esoterischer Heroen traten plötzlich vitale Menschen in ihrer Umgebung mit einem geradezu handwerklichen Ernst im Ringen um die neue Form hervor - genau das zeichnet auch die eigenen Bücher Buchheims aus. Seine Neigung zur Monographie ist nichts anderes als ein Ausdruck seiner Nähe zur Kunst, einer Nähe, in die (außer dem Maler) auch der Sammler rückt ..."

Die gesamte Rede von Dr. Manfred Schneckenburger stellen wir hier als PDF-Download bereit.

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museums


Weitere Informationen

Informationen



Flyer zur Ausstellung
PDF-Download

Lothar-Günther Buchheim
Vorwort in dem Band: Die Künstlergemeinschaft "Brücke"
Buchheim Verlag 1956
PDF-Download


Ernst Ludwig Kirchner, Selbstbildnis mit Modell, 1909, Farbige Kreidezeichnung, © Buchheim Museum und Ingeborg & Dr. Wolfgang Hentze-Ketterer, Wittrach/Bern


Erich Heckel, Kniende im Atelier, 1911, Bleistift und Aquarell
© Buchheim Museum und Nachlass Erich Heckel, Hemmenhofen

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