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Max Raffler, der malende Bauer vom Ammersee

Kabinettausstellung ab 27. September im Buchheim Museum

Pressemeldung, 26.09.2008

Der Landwirt Max Raffler (1902-1988), der zeitlebens in Greifenberg am Ammersee lebte, war bereits Mitte Sechzig, als zwei Nachbarn, ein Arzt sowie der Maler und Kreisheimatpfleger Toni Roth, sein künstlerisches Talent entdeckten. Als Raffler dann 1966 in Amsterdam, bei einem Wettbewerb für Sonntagsmaler, an dem über 3500 Laienmaler aus ganz Europa teilnahmen (Berater der prominenten Jury war Oskar Kokoschka), den zweiten Preis erhielt, wurde sein Name weit über Bayerns Grenzen bekannt.

Nun stand der Bauer, der als introvertiert und wortkarg  beschrieben wird, plötzlich im Licht der Öffentlichkeit und reiste zu den Eröffnungen seiner Ausstellungen nach Amsterdam, Hamburg, Frankfurt, Wien oder Recklinghausen. Und seine Werke füllten Kalender und Bildbände. Doch begnügten sich die Liebhaber von Rafflers Kunst nicht mit Gedrucktem: Sie wollten Originale haben. Hunderte pilgerten nach Greifenberg und gaben Bilder in Auftrag, vorwiegend nach Motiven, die sie von den  Drucksachen her kannten. Früher hatte Raffler seinem Drang zum Malen nur in freien Stunden und an Sonn- und Feiertagen nachgeben können. Schon als Knabe, vor allem aber als Bauer, hatte er den täglich anfallenden Arbeiten am Hof nachkommen müssen. Jetzt, als alter Mann, durfte er endlich ausgiebig malen...    

Lothar-Günther Buchheims Fotografie aus den späten 1970er Jahren zeigt Raffler beim Malen in der Wohnküche. Um das Tageslicht zu nutzen, ist er nah ans Fenster gerückt. Er meidet den Blick in die Kamera. - Diethild Buchheim erinnert sich, dass Raffler hocherfreut war, als Buchheim ihm vorschlug, für einen Kalender Bilder von Festen und Bräuchen in Bayern zu malen. Viele der jetzt ausgestellten Werke wurden in Drucksachen des Buchheim Verlags reproduziert.     

Was Raffler vor seiner Entdeckung als Maler, also vor Mitte der 1960er Jahre geschaffen hat, ist nur fragmentarisch erhalten. Die beiden Schwestern berichten, dass die Bilder des Bruders "wäschekörbeweise" weggeworfen worden seien.

In diesen Jahrzehnten hat Raffler auf die ungewöhnlichsten Untergründe gemalt, weil er oft kein richtiges Zeichenpapier zur Hand hatte: Die Gebirgshütte platzierte er auf die Rückseite einer "Niederlassungs-Anzeige", die wohl aus der Amtsstube des Vaters stammte, der von 1911 bis 1933 Bürgermeister von Greifenberg, aber auch Kreisrat war. Die Kühe sind auf ein Blatt gemalt, das er sich aus einem Kunstdünger- oder Zementsack zurechtgeschnitten hatte. Die "Gemüsearten und Futterkräuter" zieren ein Kalenderblatt und das Konterfei von Reichskanzler Bismarck nobilitiert eine Pappe, auf die ursprünglich ein Stoffmuster geklebt war.

Wie sehr sich Rafflers Malerei nach 1966 verändert hat, zeigt ein Vergleich der "frühen" Arbeiten mit den Bildern der Ausstellung, die vorwiegend in den 1970er Jahren entstanden sind. Die Kompositionen sind nun kleinteiliger strukturiert, und ordnende Prinzipien wie Reihung, Wiederholung und Durchmusterung herrschen vor. Die Palette hat sich aufgehellt und die Farben leuchten. Dazu hat Raffler große Freude am detailreichen Erzählen, baut beschauliche Idyllen, beschwört Erinnerungen an die Kindheit oder lässt seiner Phantasie freien Lauf.  

Dass Rafflers Bilder in der Gesellschaft von Hans Schmitts hölzernen Menschen und Viechern zu sehen sind, hat seinen Grund. Denn Raffler und Schmitt waren Freunde. Und die Schriftstellerin Gisela Pfeiffer, die von beiden porträtiert wurde, sah bei Raffler erstmals eine Figur von Schmitt. Raffler zeigt die stets auffallend Gekleidete als geheimnisvolle Dame in Weiß vor einer Maske, während Schmitt sie humorvoll als schrägen Paradiesvogel charakterisiert. Der Stiftung Gisela und Dr. Heinz Pfeiffer verdankt das Buchheim Museum viele wunderbare Arbeiten von Hans Schmitt.     

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museum
Im September 2008


Unterschondorf am Ammersee, o.J.


Katze, o.J.


Der deutsche Reichskanzler Bismark, o.J.


Max Raffler, fotografiert von Lothar-Günther Buchheim

© Buchheim Museum

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