In Trauer um Paul Maria Wittmann (1946–2026)
Die Vorstände der Buchheim Stiftung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Buchheim Museums trauern um Paul Maria Wittmann, der nach schwerer Krankheit in der Nacht vom 10. auf den 11. September 2026 plötzlich und unerwartet im Alter von 80 Jahren verstorben ist.
1946 im Nachkriegs-München geboren, wuchs Paul Maria Wittmann in einer Künstlerfamilie auf. Seine Mutter Karoline Wittmann (1913–1978) war Malerin, sein Vater Paul Wittmann (1911–1993) Bildhauer. Besonders mit seiner Mutter verband ihn ein inniges Verhältnis. Als Kind und Jugendlicher saß er gerne in der kleinen Atelierwohnung und sah ihr beim Malen zu oder begleitete sie auf der Suche nach Motiven in den Tierpark Hellabrunn und den Zirkus Krone.
Paul Maria Wittmann studierte Architektur und arbeitete später als Diplomingenieur im Bauwesen, wo er als Sachverständiger tätig war. Die Krankheit seiner Mutter prägte seine Jugend. Kurz vor ihrem Tod nahm Karoline Wittmann ihrem Sohn das Versprechen ab, sich um ihr künstlerisches Werk zu kümmern. Dieses Versprechen sollte ihn ein Leben lang begleiten.
Nachdem auch sein Vater 1993 verstorben war, machte sich Paul Maria Wittmann daran, das Werk seiner Mutter zu erschließen und zu bewahren. Er suchte nach ehemaligen Kommilitoninnen Karoline Wittmanns und fand in Luise Niedermeier (1908–1997) eine letzte Überlebende, die ihm den Kontakt zu dem Kunsthistoriker Matthias Arnold vermittelte. Ihn gewann er für die Erarbeitung des ersten Werkverzeichnisses der Gemälde Karoline Wittmanns, das 1996 erschien.
Nur wenige Werke Karoline Wittmanns waren zu ihren Lebzeiten verkauft oder innerhalb der Familie weitergegeben worden. Der größte Teil ihres Œuvres befand sich noch im Atelier am Pullacher Platz, dicht gedrängt auf dem Hängeboden. Paul Maria Wittmann ließ die Bilder professionell rahmen, knüpfte Kontakte zu Kunsthändlern und Auktionatoren, vermittelte Ausstellungen und Verkäufe. In den letzten Jahren führte er am Münchner Wettersteinplatz seine Stiftungsgalerie Karoline Wittmann, in der Dutzende Gemälde seiner Mutter in Petersburger Hängung präsentiert wurden und Passanten zum Eintreten einluden.
Im Mai 2025 errichtete Paul Maria Wittmann am Buchheim Museum den »Stiftungsfonds Karoline Wittmann«. Damit übertrug er der Buchheim Stiftung das gesamte noch in seinem Besitz befindliche künstlerische Werk seiner Mutter sowie Archivalien, Publikationen, private Gebrauchsgegenstände und die Urheberrechte. Auch seine eigene Kunstsammlung mit Werken von Zeitgenossen und Wegbegleiterinnen Karoline Wittmanns gab er in die Obhut der Buchheim Stiftung. Darüber hinaus vermachte er der Stiftung sein gesamtes Vermögen. So schuf er die Grundlage dafür, dass das Werk seiner Mutter dauerhaft bewahrt, erforscht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.
Im Dezember 2026 wird zur Wiedereröffnung des Buchheim Museums im neuen Ausstellungssaal die erste Retrospektive aus dem Stiftungsfonds Karoline Wittmann gezeigt. Paul Maria Wittmann wird diesen Moment nicht mehr erleben. Umso mehr wird die Ausstellung an einen Menschen erinnern, der ein vor fast fünf Jahrzehnten gegebenes Versprechen bis zuletzt verfolgt und erfüllt hat: das Werk seiner Mutter zu bewahren und ihm den Platz in der Kunstgeschichte zu geben, den er für richtig und verdient hielt.
Wir verlieren mit Paul Maria Wittmann einen engagierten, beharrlichen und kunstverbundenen Menschen und behalten ihn in dankbarer Erinnerung.
2026 im Museum
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Foto: Isabelle Zapp, Buchheim Museum

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