Abonnement des E-Mail-Newsletters des Buchheim Museums

Bitte tragen Sie Ihre E-Mail-Adresse ein, wir informieren Sie regelmäßig über unser Programm.



CHINA - Aus Buchheims Kunst- und Wunderkammer

15.05.2005 bis 08.01.2006

Broschüre zur Ausstellung:



CHINA - Aus Buchheims Kunst- und Wunderkammer
Mit zahlreichen Farbabbildungen und Texten von Lothar-Günther Buchheim und anderen

EUR 9,90 zzgl. EUR 2,50 Versandkosten (Bestellung)

Pressemeldung, 13.05.2005

Schon in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren hat Lothar-Günther Buchheim in seinem Verlag Bücher über chinesische Kunst verlegt und selber über den chinesischen Maler Chi Pai-shih (1861-1957) geschrieben. Gleichzeitig begann er, Farbholzschnitte, Rollbilder und Steinabriebe, aber auch kunsthandwerkliche Stücke, wie feine Schnitzereien aus Holz, Elfenbein und Horn, Cloisonné- und Lackarbeiten, Porzellan, Mobiliar, Papierschnitte und vieles andere mehr zu sammeln. In den 1960er und 1970er Jahren fotografierte Buchheim in Hongkong, 1989 in Peking und Umgebung.

Die auf zwei Ebenen und in mehreren Räumen präsentierte Ausstellung verschränkt Buchheims China-Fotografien, die zum ersten Mal gezeigt werden, mit seiner China-Sammlung: China - mit den Augen des Malers, Fotografen und Sammlers Lothar-Günther Buchheim gesehen.

Der unmittelbarste Zugang von Buchheim zu China erschließt sich über seine Fotografien: 1963 - Buchheims Expressionistensammlung wird in Japan gezeigt - reist Buchheim mit Frau Diethild erstmals nach Hongkong, das fortan immer wieder Ziel von Reisen sein wird. Buchheim fotografiert auf Streifzügen durch die New Territories Landschaften, Dörfer, spielende Kinder und Menschengruppen. Nicht das moderne Hongkong oder berühmte Sehenswürdigkeiten faszinieren ihn, sondern das ländliche Leben, der Alltag der Bauern und einfachen Leute. Nicht anders 1989 in Peking und Umgebung: Dort hält Buchheim das Treiben in Straßen und Gassen fest, die meist abseits der gängigen Tourismusrouten liegen. Der Radius des Wahrgenommenen und mit der Kamera Bewahrten ist dabei ebenso persönlich wie bei den Aufnahmen aus Hongkong. Das Auge des Malers wandert genüßlich über sorgfältig dekorierte Teller und Platten; auf Festen und Umzügen schwelgt er in der Farbenpracht von Kostümen und Masken; dort fesseln ihn Dschunken und Sampans, die sich im Wasser spiegeln, oder bizarre und künstliche Welten wie der Tiger Balm Garden. Und dann die Menschen in China: eine Gruppe von Männern, die unverhohlen die "Langnase" beäugen, Kinder, die in ihre Spiele vertieft sind, eine traurig wirkende Schöne in grellfarbener historischer Kostümierung und ein breit grinsender Bauer inmitten grüner Felder ...

Der persönliche Blick schafft punktuellen Zugang zu einer fremden Welt, zu einer anderen Kultur, die als solche jedoch diffus und verschwommen bleibt wie der Durchblick durch die schwarze Vergitterung, die Buchheim beim Besuch der Pekinger Akademie fotografierte. Subjektive und rein künstlerische Beweggründe sind es auch, die Buchheims China-Sammlung bestimmen. Immer wieder ist es sein Staunen vor der Kunstfertigkeit und den kunsthandwerklichen Höchstleistungen, die den Sammler betören: Da sind Bettgehäuse mit reicher Ornamentik und schönen Malereien, Geschnitztes aus Elfenbein, Horn, Kork oder Stein, Eingerichte, Cloisonnéarbeiten, kleine Bronzen und Elfenbeinfigürchen, ein ganzes Heer von Teekannen, dazu allerlei Porzellan vom Pinselhalter über hübsch bemalte Deckeldosen bis hin zum Geschirr von Speisebuden, Textilien, lachende dickbäuchige Buddhafiguren, über 2000 Papierschnitte und vieles andere mehr.

Von besonderem Interesse für Buchheim, der von Jugend an selber Holz- und Linolschnitte machte, und seit den frühen 50er Jahren Werke - darunter auch Holzschnitte - der "Brücke"-Maler sammelte, ist auch die druckgraphische Produktion in China: Steinabriebe oder Steinabreibungen wurden von alters her zum Kopieren steinerner Inschriften verwendet. Später begann man auch Basreliefs - zumeist aus Gräbern - mittels feuchtem Papier und aufgetupfter Tuschfarbe abzuklatschen. Neben diesen Steinabrieben, vorrangig Reliefs aus der Han- und Tang-Zeit, zeigt die Ausstellung eine große Gruppe von chinesischen Farbholzdrucken. Schon ein mehrteiliger Zyklus mit Pflanzenmotiven und ein Blockbuch (vermutlich aus der frühen Republikzeit), in dem unter anderem die Gewinnung und Herstellung von Seide, aber auch von Tee oder Opium in einzelnen Etappen dargelegt werden, machen deutlich, daß sich chinesischer und europäischer Holzschnitt wesentlich unterscheiden. Dies ist vorrangig auf eine andere Methode zurückzuführen, kommen doch beim chinesischen Holzschnitt viele Holzstöcke zum Einsatz. Dazu werden diese nicht mit opaken Druckfarben eingefärbt, sondern Wasserfarben mit dem Pinsel aufgemalt. Dadurch entstehen lebendige Verläufe und Unregelmäßigkeiten, weshalb die Abzüge aussehen wie Aquarelle oder Tuschzeichnungen und jedes Blatt verschieden ausfällt. Die 1894 in Peking gegründete Werkstatt Jung Bao-dsai perfektionierte den Farbholzdruck und fertigte Rollbilder und Briefpapiere, darunter auch von Chi Pai-shih, dem Buchheims besondere Vorliebe gilt. 1964 widmete er dem in China als "Meister aller Meister" betitelten Maler ein Buch. Sein Text führt eindringlich in das Werk Pai-shihs ein und sucht die verschiedenen künstlerischen Positionen in Europa und China zu vergegenwärtigen: Da das Streben nach Abbildhaftem und Wirklichkeitsnähe, dort die Suche nach Sublimierung und nach einer Vereinigung mit tao, dem geistigen Prinzip, das jegliche Form von Sein durchströmt und damit gleichzeitig alles verbindet.

Neben mehreren Zyklen mit Wasserfarbenmalereien aus der späten Qing- oder der frühen Republikzeit, darunter der Zug eines Mandarins, der seine Region inspiziert, gibt es eine breitgefächerte Auswahl von Papierschnitten zu bestaunen. Die mit Schere oder Messer geschnittenen Papiere machen in ihrer außergewöhnlichen Vielfalt dem "Museum der Phantasie" alle Ehre. Papierschnitte sind fester Bestandteil des Neujahrsfestes, dem "Fest aller Feste", bei dem die Familien zusammenkommen und die Häuser und Wohnungen prächtig geschmückt werden. Dabei klebt man die Papierschnitte - als symbolischen und vielfachen Wunsch nach Glück - an die Fenster, aber auch auf Möbel, Geschenke und Eßschüsseln. Während der Regierungszeit Mao Tse-tungs wurde die Herstellung von Papierschnitten nicht nur gefördert, sondern auch mit politischen und volkserzieherischen Themen und Motiven belegt.

Buchung von Gruppenführungen für Erwachsene oder Schüler unter 08158-997050.

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museum

Wir danken: Vereinigte Sparkassen im Landkreis Weilheim i. OB. Kreissparkasse München Starnberg, Kuhn & Bülow, Versicherungsmakler GmbH Berlin, Köln, Moskau, Zürich.


PDF-Flyer zur Ausstellung


Lothar-Günther Buchheim, Fotografie, Umland von Peking, Peking 1989, Sammlung Buchheim, © L.-G. Buchheim.


Papierschnitt aus Foshan, Sammlung Buchheim, © L.-G. Buchheim.


Yan Luo, Elysium, Wasserfarben auf Papier, späte Qing-Dynastie, Sammlung Buchheim, © L.-G. Buchheim.

Aktuell im Buchheim Museum

NOLDE. DIE GROTESKEN Ausstellung vom 23. Juli bis 15. Oktober 2017

HOLMEAD: KRUDE KÖPFE Ausstellung vom 16. Juli bis 3. Oktober 2017

10. Tagung zur Hinterglaskunst Vom 13. bis 14. Oktober 2017 im Buchheim Museum

100.000 Besucher in 2017 im Buchheim Museum Museumsdirektor Daniel J. Schreiber händigt den Ehrengästen eine Jahreskarte aus

JAWLENSKY: KOPF IN BLAU Neu im Buchheim Museum ab 16. Juli 2017

HERBERT SCHERREIKS: SCHLOSS ZWERGAPFELKERN Ab 29. April 2017 im Buchheim Museum

BRÜCKENSCHLAG: GERLINGER – BUCHHEIM! Die Sammlung »Die Maler der Brücke« kommt ins Buchheim Museum

Neue Videovorstellung des Buchheim Museums Impressionen aus Bernried

3sat besuchte mit Marianne Sägebrecht das Museum Sehen Sie sich den Beitrag im 3sat-Archiv an

BRÜCKENSCHLAG: GERLINGER – BUCHHEIM! 28. Oktober 2017 bis 25. Februar 2018

Café Littwin Imaginärer Gastronomiebetrieb und poetisches Ensemble

100.000 Besucher in 2017 im Buchheim Museum: Museumsdirektor Daniel J. Schreiber händigt den Ehrengästen eine Jahreskarte aus
<