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Originalzeichnungen für "Jugend" und "Simplicissimus"

Kabinettausstellung, Villa Maffei, 26.06. bis 29.10.2006

Pressemeldung, 23.05.2006

Wer kennt sie nicht, die beiden berühmten Münchner Wochenschriften "Jugend" und "Simplicissimus", die beide 1896 in München ins Leben gerufen wurden und das deutsche Zeitschriftwesen gründlich revolutionierten? Wer kennt nicht ihre Gründer und Verleger, den fortschrittsgläubigen, enthusiastischen "Feuerkopf" Georg Hirth, der seit Mitte der 1870er Jahre den Münchner Kulturbetrieb durch seine impulsgebenden Initiativen immer wieder neu belebte und immer dann auf den Plan trat, wenn er Stillstand und Rückschritt witterte, die wechselnden Moden des Historismus durch seine Publikationen begleitete, ab 1881 die "Münchner Neuesten Nachrichten" gemeinsam mit seinem Schwager Thomas Knorr herausgab und die Abspaltung der "modernen" Secessionisten von der "Münchner Künstlergenossenschaft" forcierte? Oder den aus einer rheinischen Industriellenfamilie stammenden Albert Langen, der in Paris sein Vermögen durchbrachte, den größten Teil an seinen Mentor, den genialen Hochstapler sowie Maler und Kunsthändler Willy Grétor verlor, der Langen aber wiederum die zündende Idee eingab, in Deutschland ein ähnliches satirisches Blatt zu begründen wie den französischen "Gil Blas illustré"?

Wer kennt nicht die berühmten Zeichner der beiden Wochenschriften, die, wie beispielsweise Rudolf Wilke und Karl Arnold, nur zu oft bei der junge Talente fördernden "Jugend" anfingen, durch diese bekannt und dann vom "Simplicissimus" abgeworben wurden? Wem ist nicht die zähnefletschende Bulldogge geläufig, die Zeichner Thomas Theodor Heine in seinem damals schon unverwechselbaren knappen und prägnanten Stil in der fünften Nummer als Sinnbild und Wappentier des "Simplicissimus" schuf? Und wer kennt sie nicht, die Karikaturen von Eduard Thöny, Bruno Paul oder Rudolf Wilke, die die "Typen" der wilhelminischen Ära, die arroganten Vertreter der Oberschicht - Corpsstudenten, Dandys und Schnösel -, die auf Bierdunst und leibliches Wohl fokussierten bayerischen "Urviecher", die säbelrasselnden Polizisten und andere Vertreter des Obrigkeitsstaates, den Klerus oder gar Wilhelm II. selbst aufs Korn nahmen? Und wer hat nicht schon einmal von den Beschlagnahmungen des "Simplicissimus" gehört und der spektakulären Anklage wegen "Majestätsbeleidigung", die Heine und Wedekind Gefängnisstrafen einbrachte und Langen für Jahre ins Exil trieben? Und wer meint nicht, "Jugend" und "Jugendstil" hingen "irgendwie" zusammen?

Aber: Wer hat schon jemals die Vorlagen für die Reproduktionen in den beiden Wochenschriften - also Originalzeichnungen - gesehen? - Selten sind sie und schwer aufzutreiben, wurden sie doch schon zu "Lebzeiten" von "Jugend" und "Simplicissimus" an Liebhaber veräußert und versteigert. Lothar-Günther Buchheim ist den Arbeiten, die nun in der Villa Maffei in einer Auswahl gezeigt werden, beharrlich nachgejagt und blättert damit wieder eine bislang unbekannte Seite seiner vielgestaltigen und überbordenden Sammlungen auf: Wieder also eine Premiere im Hause Buchheim!

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museum

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