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Afrika und Südsee - Neue Formen aus fernen Welten

Ab 11. Dezember 2008 im Buchheim Museum

Pressemeldung, 09.12.2008

Die Hinwendung zu Gegenständen aus fernen, damals noch exotischen Welten wie Afrika und der Südsee erschien um den Beginn des 20. Jahrhunderts vielen Künstlern als einzig sinnvoller Ausweg vor einer überkommenen akademischen Darstellungsart. Auf diese Weise konnte sich die schöpferische Avantgarde über Traditionen hinwegsetzen, die bis dato keinen anderen Maßstab kannten als die Kunst der europäischen Antike.

Unterschiedliche Wege waren es, auf denen sich die einzelnen Maler jenen "primitiv" genannten Gegenständen näherten, mit Hilfe deren Formensprache sie das Korsett der Kunsttradition ihrer Kultur zu sprengen suchten.

In Dresden, wo 1905 die Künstlergruppe "Brücke" von Ernst Ludwig Kirchner, Fritz Bleyl, Erich Heckel und Karl Schmidt-Rottluff gegründet worden war, gab es bereits ein Völkerkundemuseum mit großen Sammlungen aus Überseegebieten. Jedermann konnte schon damals eine Vielzahl von afrikanischen und ozeanischen Kultmasken, Ahnen- und Zauberfiguren und ähnlich "exotisch" anmutenden Dingen besichtigen. Über deren kulturelle Hintergründe war allerdings wenig bekannt. Die Frage "Wer hat welchen Gegenstand zu welchem Zweck angefertigt und in welcher Tradition steht er damit" - war aus dem Wissensstand der Zeit heraus einerseits oft nicht zu klären. Andererseits zogen es die meisten Künstler vor, sich von der alleinigen Betrachtung außereuropäischer Objekte stimulieren zu lassen. Es blieb in der Regel beim Konsum von vordergründigen Darstellungsideen ohne die Hinterfragung von geistigen Konzepten. Diese Einstellung ist auf wiederholte Kritik gestoßen.

Als sich jedoch Emil Nolde die Möglichkeit bot, "Urvölker" in ihrem kulturellen Umfeld zu erleben, zögerte er nicht. Von 1913 bis 1914 begleitete er eine vom Reichskolonialamt beauftragte Neuguinea-Expedition. Vor allen anderen beeindruckten ihn Gesellschaften der Südsee, wo nach seiner Ansicht "die Urmenschen" noch als "ein Teil vom ganzen All" existierten.

Ernst Ludwig Kirchners künstlerischer Horizont weitete sich entscheidend durch die Begegnung mit Holzreliefs von den zu den Karolinen gehörenden Palauinseln, einer deutschen Kolonie von 1899-1914. Auf dem sogenannten "Palau-Balken" im Dresdener Völkerkundemuseum entdeckte er einfache, rohe Formen und betonte Konturen in erotisch erscheinenden Motiven. So stark war der von den ungekannt-exotischen Figuren ausgehende Anreiz, dass Kirchner sein Atelier in Dresden mit Tapisserien schmückte, die er mit nachempfundenen "Palau-Figuren" bemalte. Innerhalb kurzer Zeit trat auch eine Begeisterung für afrikanische Formen hinzu. Mehrere afrikanische Figurenhocker vervollständigten bald die Einrichtung. Ihre Formensprache floß zunehmend in Kirchners grafisches Werk ein. Doch hatten diese Objekte auch den unmittelbaren Zweck, als Requisiten, Staffage und Lehrmodelle zu dienen.

Die von Lothar-Günther Buchheim gesammelten Ethnographika haben ihren Ursprung in dem künstlerischen Selbstverständnis, der Lust des umherschweifenden Blickes nachzugeben und auszusuchen, woran das Auge haften bleibt. Auch Buchheim wollte auf den inspirierenden Einfluß von außereuropäischer Kunst nicht verzichten. Bunt, vielfältig, manchmal in schrägem Kontext stehend bildeten deshalb mit Enthusiasmus zusammengetragene Ethnographika einen Teil seiner Atmosphäre, waren überall in Haus und Garten präsent.

Durch die partielle Umgestaltung des Ausstellungsbereiches "Afrika und Südsee" sollen die Besucher des Buchheim Museums sich über kulturelle Grundaspekte der ausgestellten Ethnographika informieren können, sofern sie das möchten. Lothar-Günther Buchheims Konzept vom "Museum der Phantasie" wird dabei nicht verflacht oder gar aufgelöst.

Robert Fin Steinle
im Dezember 2008

 


Maske der Idoma, Nigeria, Afrika
Ahnenfigur der Luba-Hemba, Demokratische
Republik Kongo, Afrika

Kraftfigur der Songhe, Demokratische
Republik Kongo, Afrika

Alle Abbildungen: © Buchheim Museum

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