„Der genähte Gesang“

Bildergeschichten aus dem Königreich Dahomey - ab 10. Dezember 2010

Pressemeldung, 09.12.2010 - Eine Seite zurück


Schwere Wandteppiche und Textilien mit bunten figürlichen Applikationen reizten Lothar-Günther Buchheims Künstlerauge, als er 1978 auf seiner Afrika-Reise einen Zwischenstopp in der noch jungen Republik Benin einlegte. Der Trip, so sagte er später in einem "Spiegel"-Interview, sei "zum Teil ein schreckliches Abenteuer" gewesen. Doch auch unter solchen Umständen ließ sich der Weitreiser nicht davon abhalten, einzuhandeln und nach Hause zu bringen, was ihm an Ausgefallenem gefiel. Daher findet sich heute eine repräsentative Auswahl der in vieler Hinsicht ungewöhnlichen Applikations-Stoffe im Museum der Phantasie in Bernried.

Deren Musterung erschöpft sich aber nicht in hübscher Buntheit als Selbstzweck. Denn die Figuren auf ihnen stehen in engster Beziehung mit den Königen eines vergangenen westafrikanischen Reiches, das sein materielles Wohlergehen über Jahrhunderte einem einträglichen Geschäft mit den Europäern verdankte: Der Sklavenhandel war eine der tragenden wirtschaftlichen Säulen des alten Reichs von Dahomey, das nachmalig zu französischer Kolonie und erst 1975 zur Republik Benin werden sollte.

Die mit Hilfe der Applikationstechnik gefertigten Bildergeschichten werden seit Jahrhunderten mündlich und in Liedform weitergegeben. Einmal zu festem Stoff in Raum und Zeit umgesetzt, können sie wiederum den zukünftigen Generationen von Bewahrern der Oraltradition als Gedächtnisstütze dienen. Auf eine einfache Formel gebracht: Alter Gesang wird zum genähten Bild.

Einer jener "Näher des Gesangs" ist Alphonse Yémadjè. Seine Familie wurde schon zur Zeit der Könige von Dahomey an deren Hof geholt, um dieses Kunsthandwerk auszuüben. Von seiner Hand stammen die prächtigsten und komplexesten Stücke der Sammlung Buchheim.

Die vielfarbig verbrämte Darstellung der königlichen Heldentaten, die Symbole der "Kraftnamen", der durch wahrsagerische Techniken beeinflusste Umgang mit dem Schicksal kann jedoch nicht unmittelbar durch die Betrachtung der Kunstwerke aus Stoff verstanden werden. Es braucht einen kleinen hingereichten Schlüsselbund, um einige unerlässliche Zugänge zum "cultural code" der westafrikanischen Fon zur Zeit der Könige Dahomeys öffnen zu können.

Diesen bekommt der Besucher ab 10. Dezember 2010 mit den Begleittafeln des neuen Ethno-Themas »Der genähte Gesang. Bildergeschichten aus dem Königreich Dahomey« angeboten.

Mit herzlichen Grüßen aus dem Buchheim Museum

Dr. Robert Fin Steinle
im Dezember 2010


Archiv Pressemeldungen


König Dako Donou inmitten seiner Kriegerinnen und Krieger. Alphonse Yémadjè, 1978, Textilapplikation.


Gbêhanzin gegen Banigbé. Alphonse Yémadjè, 1978, Textilapplikation.


Die Wappen der ersten drei Könige von Dahomey. Textilapplikation aus einem Atelier in Cotonou, Republik Benin, 1978.


Alphonse Yémadjè bei der Arbeit an einer Textilapplikation, ca. 1995


Abbildungen © Buchheim Museum

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