»WAHRHEITSMALEREI«. EXPRESSIVER REALISMUS AUS DER SAMMLUNG HIERLING

30.05. – 18.10.2020

PDF-Flyer zur Ausstellung



Die Entdeckung des »Expressiven Realismus« steht noch am Anfang. Im Buchheim Museum erhalten die schönsten Blüten des expressiven Realismus aus der Sammlung Joseph Hierling einen großen Auftritt.

Der Sammler

Joseph Hierling wohnt fünf Kilometer entfernt vom Buchheim Museum in Tutzing. Er wurde 1942 in München geboren. Nach einer kaufmännischen Lehre wurde er Fernsehkameramann. Er war Personalratsvorsitzender beim Bayerischen Rundfunk und Vorsitzender der Gewerkschaft Kunst in Bayern. 1981 bis 1994 führte er zudem eine Galerie in München. 1990 bis 2002 war er Leiter der Film- und Fernsehproduktion beim Bayerischen Fernsehen. Seine Sammlung baute Hierling über die Jahrzehnte hinweg und in enger Zusammenarbeit mit dem Marburger Kunsthistoriker Rainer Zimmermann (1920-2009) auf, der als Wiederentdecker des »Expressiven Realismus« gilt.

Sammlung

Zimmermann würdigte die Sammlung Joseph Hierling als »größte und qualitätsvollste Kollektion von Gemälden des Expressiven Realismus«. Lothar-Günther Buchheim, der Gründer dieses Museums, fand einst die Vorstellung »bestrickend«, ihre Bilder in der Nähe seiner Expressionistensammlung ausgestellt zu wissen. Noch im Wachsen begriffen, umfasst die Sammlung von Joseph Hierling derzeit über 1.280 Gemälde und einige Skulpturen von über 300 Künstlern des »Expressiven Realismus«.

Ausstellung

Die Präsentation ist, dem Motto Buchheims folgend, ein »Fest fürs Auge«! 88 Werke von 53 Künstlerinnen und Künstlern wurden für die Ausstellung ausgelesen. Die Künstlerbiografien sind an den Werken zu finden. Im benachbarten Expressionistensaal hängen die »Gemälde der Brücke« aus den Sammlungen Gerlinger und Buchheim. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Für Buchheim ist der Expressionismus keine abgeschlossene Epoche, im Gegenteil: Er vertritt die Ansicht, dass der Begriff die widerstrebenden Grundtendenzen verkörpere, die für die gesamte Kunst der Moderne bis zur Gegenwart maßgeblich sind: das Suchen nach der »dingbezogenen Form« und das »autonome Gestalten mit frei erfundenen Zeichen«.

Expressiver Realismus

In diesem Spannungsfeld zwischen Realismus und Abstraktion agierten auch die Vertreter des »Expressiven Realismus«. Die Künstler dieser zwischen den beiden Weltkriegen im deutschsprachigen Raum vorherrschenden künstlerischen Strömung wurden zwischen 1890 und 1914 in Deutschland und Österreich geboren. München war neben Berlin, Dresden und Stuttgart ihre wichtigste Begegnungsstätte.

Die Entdeckung des »Expressiven Realismus« steht immer noch am Anfang. Die Künstlerinnen und Künstler dieser »Verschollenen Generation« erlebten ihre Erfolge in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen. Nach Verfemung durch die Nationalsozialisten erlitten sie in der Nachkriegszeit eine zweite Diskriminierung. In Auseinandersetzung mit Impressionismus, Expressionismus und neuer Sachlichkeit waren sie in den Weimarer Jahren (1918-1933) zu einer von malerischen Valeurs und kompositorischer Schönheit geprägten Malerei gelangt. Dies passte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in das Bild einer nach reiner Abstraktion strebenden Kunstgeschichte. Der »Expressive Realismus« galt dann als rückständig. Dabei stand er in seiner Zeit genau für das Gegenteil: für einen Fortschritt der Kunstgeschichte!

1920 galt der Expressionismus als »tot«, seine abstrahierenden Stilisierungen drohten zu leeren Formeln zu verkommen. Eine neue Generation trat an, um dem »Spiritualismus« des Expressionismus einen »neuen Realismus« entgegenzusetzen. Die breite Bewegung betrieb eine neue Hinwendung zur Wirklichkeit, aber auch eine Wiederbelebung malerischer Qualitäten. Viele Einflüsse vorangegangener Strömungen wurden aufgegriffen und zu einer neuen Synthese verbunden. Die Tonigkeit und die Pastosität des Impressionismus wurden wiedererweckt und mit Ausdrucksformen des Expressionismus vermengt. In seiner Wirklichkeitsnähe kommt der »Expressive Realismus« der »Neuen Sachlichkeit« nahe, jedoch lässt er deren kühle Distanz beiseite. Die Künstler des »Expressiven Realismus« lassen den Ersten Weltkrieg hinter sich. Ihre »Wahrheitsmalerei« öffnet sich den Themen des Lebens meist mit sonnigem Mitgefühl und Freude an Schönheit. Diesem Ethos folgen die Kapitelgliederung von Ausstellung und Katalog: ›Stadt‹, ›Land‹, ›Nackte‹, ›Interieurs‹, ›Blumen‹, ›Männer‹ und ›Frauen‹ im Saal sowie ›Kinder‹ auf der Galerie eine Etage höher.

Pressespiegel

Vergessene Schönheiten
Süddeutsche Zeitung vom 22.06.2020


2020 im Museum

Herzlich Willkommen
Das Buchheim Museum ist geöffnet

GEMÄLDE DER »BRÜCKE«. SAMMLUNGEN GERLINGER + BUCHHEIM
Neuhängung seit März 2020

GAYMANNS VIRUS-VISIONEN
26.06. – 11.10.2020

Theater für Kinder im Park des Buchheim Museums
„Sängerkrieg der Heidehasen“ von James Krüss am 15.08.2020

BLICKPUNKT FORSCHUNG
Ab Mai 2020

WIEDERENTDECKT! RAHMEN UND BILDER DER BRÜCKE-KÜNSTLER
Der Film zur abgesagten Ausstellung

RIESENSPEKTAKEL. ZIRKUS BUFFI & SCHLOSS ZWERGAPFELKERN
Ab 22.02.2020

KUNO DÜMLER – PARADIESGARTEN IM OBERLAND
Bis 04.10.2020

DAS BOOT
Voraussichtlich ab Ende Juli 2020

BECKMANN & BRÜCKE
18.07. – 18.10.2020

BRÜCKE. EINE AUSWAHL
20.10.2020 – 21.03.2021

WIND. JAHRESAUSSTELLUNG DER GEDOK
24.10.2020 – 21.02.2021

ERICH HECKEL. EINFÜHLUNG UND AUSDRUCK
30.10.2020 – 07.03.2021

MS Phantasie geht im Museumspark vor Anker
Gewichtige Neuanschaffung im Buchheim Museum

Buchheim Museum Online
Virtueller Kunstgenuss in Zeiten sozialer Distanzierung

Die Gemälde im Expressionistensaal erstrahlen in neuem Licht
Neue LED-Leuchten

Das Buchheim Museum geht online
Ergebnisse der Provenienzforschung

HAUS BUCHHEIM. ÜBERTRAGUNGEN
Seit 03.02.2018


Walter Becker, Trio 3 oder Im Bad, 1968, Öl auf Leinwand, Sammlung Hierling © Rechtenachfolge Walter Becker


Erich Glette, Blumentisch mit Mädchen, 1936, Sammlung Joseph Hierling


Willem Grimm, Blumenstilleben, 1945, Sammlung Hierling, © VG Bild-Kunst Bonn, 2020


Hans Fronius, James Ensor, 1985, Sammlung Joseph Hierling

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