Pablo Picasso

Sonderausstellung im Buchheim Museum 15.10.2006 bis 15.04.2007

Pressemeldung, 12.10.2006

Lothar-Günther Buchheim zeigt mit rund 160 Werken - Lithographien, Radierungen, Linolschnitten und illustrierten Büchern sowie Original- und Reproduktionsplakaten aus den Jahren 1926 bis 1972 - erstmals eine Auswahl aus seiner Picasso-Sammlung.

Nach einer Dokumentation zu Leben und Werk von Pablo Picasso (1881 bis 1973) wird der Besucher durch Schwarzweißfotos, die Buchheim im Krieg und danach in Paris gemacht hat, atmosphärisch eingestimmt. Kataloge des von Buchheim zwischen 1949 und 1951 betriebenen "Frankfurter Kunsthauses", Bücher sowie Kunstpostkarten, Kalender und Drucke aus dem Buchheim Verlag (seit 1951) und die von Buchheim verfaßte Bildmonographie "Pablo Picasso" (1958) belegen Buchheims intensives Bestreben, Picassos Schaffen einem der Moderne entwöhnten Publikum nahezubringen, galt dessen Kunst doch nicht nur während der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten als Inbegriff "entarteter Kunst" - auch nach 1945 begegneten viele seinem sich wandelnden Werk mit größter Skepsis.

Schon die Auswahl der internationalen Ausstellungs- und Veranstaltungsplakate aus dem Zeitraum 1946 bis 1966, lithographischen und typographischen Meisterleistungen, die vorwiegend in der Werkstatt Fernand Mourlot gedruckt wurden, wo Picasso 1945 seine Leidenschaft für den Steindruck entdeckte, führen den "ganzen" Picasso eindrucksvoll vor und vergegenwärtigen gleichzeitig den enthusiastischen Sammeleifer des Malers Lothar-Günther Buchheim.

Auch die Fülle der Lithographien, Radierungen, Linolschnitte und illustrierter Bücher, die im großen Saal im Souterrain gezeigt werden, bietet nur einen Einblick in die Buchheimsche Picasso-Sammlung. Das früheste Blatt, eine kleinformatige, mittels Umdruck auf den Stein gebrachte Lithographie aus dem Jahre 1926, läßt noch nicht erahnen, daß Picasso, kaum hatte er im November 1945 die Werkstatt Mourlot betreten, die Lithographie durch unkonventionelle Methoden und den Einsatz neuer Materialien gründlich revolutionieren sollte. Die Lithographie bot Picasso die Möglichkeit, Bildfindungen in verschiedenen Stadien und Zuständen festzuhalten. Dem Kopf von Françoise Gilot beispielsweise, seiner Gefährtin von 1946 bis 1953, vermochte er immer neue Facetten abzugewinnen. Waren von einem Zustand Abzüge gemacht, überarbeitete Picasso den Stein, und es wurde von Neuem gedruckt. So entstanden ganze Serien von einem, jedoch mehrfach modifizierten Motiv. Nicht nur die reiche Orchestrierung der wunderbaren Lithographien von Pablo Picasso wird in der Ausstellung eindrucksvoll dokumentiert. Auch die Radierung und ihre differenzierten Verfahren werden von Picasso experimentell erprobt: Nach der Klarheit der "klassizistischen" Linienzeichnung der Illustrationen zu Ovids "Metamorphosen" (1931) sucht Picasso bald durch Strichlagen oder die weich ineinandergehenden Flächen der Aquatinta malerische Helldunkelwerte oder Halbtöne zu erzielen. Und wie in der Bildfolge "Traum und Lüge Francos" (1937), Picassos Protest gegen den Diktator und die Bombardierung des spanischen Dorfes Guernica, vor allem aber in den späteren Blättern zum Thema "Maler und Modell" kombiniert er verschiedene Verfahren miteinander. Ungewöhnlich großformatig sind die Aquatinten, die 1952/53 entstanden sind.

Nicht nur die prachtvolle Reihe der graphischen Einzelblätter, die um zentrale Themen kreisen, auch die ausgestellten Buchillustrationen machen verständlich, daß Picassos graphisches Schaffen, das insgesamt mehr als 2000 Arbeiten umfaßt, dem malerischen und bildhauerischen Werk gleichbedeutend an die Seite gestellt wird. Einen weiteren Höhepunkt der Ausstellung bilden die auf der Galerie des großen Saales ausgestellten Illustrationen zu den Sonetten des spanischen Barockdichters Luis de Góngora y Argote: der von Picasso handschriftlich übertragene Text, Bild und Randzeichnung verbinden sich zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk. In den 1950er Jahren faszinierte Picasso noch eine andere druckgraphische Technik: der Linolschnitt. Hier spannt sich der Bogen von farbintensiven Plakaten für Ausstellungen in Vallauris oder Stierkämpfe, die in der dortigen Druckerei Arnéra gefertigt wurden, bis hin zu der zarten Umrißzeichnung der "Umarmung" (1963). Ein hochkarätiges Konvolut lithographierter Originalplakate - dazu gehören die drei Fassungen des berühmten Plakates mit den Faunköpfen aus dem Jahr 1948 - rundet die Ausstellung ab.

Zur Ausstellung erscheint ein 72 Seiten starkes Begleitheft mit zahlreichen Abbildungen in Farbe und Textauszügen von Lothar-Günther Buchheim aus seiner 1958 erschienenen Bildmonographie zum Preis von EUR 9,90.

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museum


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