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Eröffnung der Ausstellung "Belle Époque"

Rede von Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein

Rede des Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Günther Beckstein anlässlich der Eröffnung der Ausstellung Belle Époque - Toulouse-Lautrec, Chéret, Steinlen und weitere Meister französischer Plakatkunst am Samstag, dem 20. Oktober 2007, im Buchheim Museum in Bernried.

Pressemeldung, 24.10.2007

Herzlichen Dank für die Einladung zur heutigen Ausstellungseröffnung. Ich bin ihr gerne gefolgt, auch weil mich das Buchheim Museum schon lange begleitet. Die Oberste Baubehörde, die mit der Durchführung der Baumaßnahme befasst war, untersteht dem Innenministerium. Ich weiß noch gut, wie sehr wir uns 2001 im Ministerrat über die Fertigstellung gefreut haben.

Das Buchheim Museum ist etwas ganz Besonderes. Mein Vorgänger Edmund Stoiber hat bei der Eröffnung am 23. Mai 2001 davon gesprochen, dass das Museum in Bernried "vor Anker" gegangen ist. Und tatsächlich: Schon wenn man sich vom Besucherparkplatz her nähert, kommt einem das Bild eines Schiffes in den Sinn: Der Museumsbau ist in die Landschaft eingepasst, als liege er vor Anker. Er hat mehrere "Decks" und ist durch den spektakulären Hochsteg direkt mit dem See verbunden.

Ich finde, das Schiff ist eine schöne Metapher - nicht nur für das "Museum der Phantasie", sondern auch für das Leben und Wirken Lothar-Günther Buchheims.

Ein Schiff läuft auf seiner Reise oft Gefahr zu kentern. Die Rückkehr ist ungewiss. Man braucht einen guten Kapitän, einen guten Steuermann, man braucht fähige Leute an Bord, damit man gut ans Ziel kommt.

Lothar-Günther Buchheim hat intensive Erfahrungen mit Booten und Schiffen gemacht. 1938 hat er mit einem Faltboot seine berühmte Donautour unternommen. Im Zweiten Weltkrieg war er auf allen möglichen Schiffen und U-Booten eingesetzt. Immer wieder geriet er mit seiner Mannschaft in Gefahr. Seitdem begleiteten ihn Schiffe und U-Boote. Seine Bücher, seine Bilder, selbst seine Flaschenpost-Schiffe legen davon Zeugnis ab.

Das "Museum der Phantasie" kann Gott sei Dank nicht mehr kentern. Es liegt sicher vor Anker. Es ist eine großartige Erfolgsgeschichte. 100.000 Besucher kommen im Jahr, im kommenden Frühjahr wird der millionste Besucher zu begrüßen sein. Das Museum hat heute einen Bekanntheitsgrad weit über Bayern hinaus erreicht.

Der Grund für diesen Erfolg liegt zum einen in der Hartnäckigkeit eines Kapitäns, der sein Ziel konsequent und über Jahrzehnte hinweg verfolgt hat. Neben dem Kapitän gibt es aber noch eine zweite Schlüsselfigur: Sie, verehrte Frau Buchheim, waren in diesen Jahrzehnten immer die erfahrene Steuerfrau an der Seite Ihres Mannes. Sie haben mit Weitblick, Umsicht und Klugheit an mancher Klippe vorbeigelenkt. Sie haben auch dann an Klippen vorbeigelenkt, wenn der Kapitän ausdrücklich befohlen hat, möglichst direkt darauf zuzusteuern. Verehrte Frau Buchheim, man kann sagen: Ohne Sie gäbe es das "Museum der Phantasie" heute nicht. Dafür meinen persönlichen Dank, dafür den Dank aller, die in irgendeiner Weise mit dem Buchheim Museum verbunden sind, dafür den Dank bald einer Million Besucher!

Zum anderen geht der Erfolg des Buchheim Museums auf eine hervorragende Mannschaft zurück, ohne die der beste Kapitän nicht auskommen kann. Frau Dr. Segieth und Sie alle, die Sie hier im Museum tätig sind: Der hohe Bekanntheitsgrad, die Beliebtheit und der Erfolg des "Museums der Phantasie" sind maßgeblich auch Ihr Verdienst. Für Ihren wertvollen Einsatz danke ich auch Ihnen vielmals!

Und noch jemand ist an Bord, der in allen Zeiten treu und begeistert zum Projekt Buchheim Museum gehalten hat: Das sind die Bewohner von Bernried. Die Bernrieder lieben ihr Museum, sie sind stolz darauf. So wie der Bau in die Landschaft eingepasst ist, so hat das Museum im Bernrieder Heimat- und Selbstbewusstsein seinen festen Platz bekommen. Bernried steht heute in ganz Deutschland für eine schöne Naturlandschaft und ein herrliches Kulturerlebnis. Seit diesem Jahr haben es die Bernrieder sogar schriftlich: Bernried ist im Rahmen des Wettbewerbs "Unser Dorf hat Zukunft - Unser Dorf soll schöner werden" als eines der schönsten Dörfer in Deutschland mit Gold ausgezeichnet  worden. Ich kann den Bernriedern dazu nur gratulieren!

Meine Damen und Herren! Mit der Schiffsmetapher verbindet sich noch etwas anderes: In einem Schiff bricht man zu neuen Ufern auf.

Auch das "Museum der Phantasie" ist ein Aufbruch zu neuen Ufern: Allein das Wort "Museum" mochte Buchheim schon nicht leiden. Pathos, Distanz oder Ehrerbietung gegenüber der Kunst war seine Sache nicht. Im Gegenteil: Die Besucher des Buchheim Museums sollen sinnliche und subjektive Begegnungen ohne - ich zitiere - "blöde Schilder" machen. Begegnungen mit Natur, Architektur und Kultur aus allen Teilen der Welt. Diese ganzheitliche, diese interkulturelle Zusammenschau ist etwas Neues. Sie ist der Aufbruch zu neuen  Ufern, der so typisch für Buchheim ist.

Die Schiffsmetapher enthält noch eine weitere Parallele: Ein Schiff, das auf Reisen war, ist oft voll beladen - so voll, dass das Ausladen lange dauert und der Schiffsbauch einige Überraschungen bereithält.

Von seinen Reisen ist Lothar-Günther Buchheim mit Koffern, nein: Containern voller Kunst und Kuriositäten zurückgekehrt. Für uns ist das ein großes Glück. Das Buchheim Museum ist, wenn man so will, ein bis an den Rand voll beladenes Schiff. Wahrscheinlich geht es selbst den Fachleuten hier im Museum so: Man kann sich gar nicht genug wundern, was aus dem Schiffsbauch noch alles ans Tageslicht kommt! Und das Schönste: Wir sind mit dem "Ausladen" der kostbaren "Fracht" noch lange nicht fertig!

Pablo Picasso hat gesagt: "Gebt mir ein Museum, und ich werde es füllen." Dieser Ausspruch könnte auch von Lothar-Günther Buchheim stammen.

Entscheidend dabei ist: Buchheim hat "sein" Museum zur Freude der gesamten Bevölkerung "gefüllt". Das "Museumsschiff" hat wegen seines vielfältigen Angebots alle möglichen "Passagiere" an Bord! Darunter sind die Fachleute und Kunstkenner. Darunter sind Familien, die einen Sonntagsausflug unternehmen. Darunter sind vor allem aber auch immer mehr Jugendliche und Schulklassen. Das ist kein Wunder, denn für die Jugend wird im "Museum der Phantasie" viel geboten:

  • Es gibt ein abwechslungsreiches Sonderprogramm.
  • Es gibt spezielle Führungen für Jugendliche.
  • Und es gibt sogar eine eigene Experimentierwerkstatt für kleinere und auch etwas größere Kinder.

Das Buchheim Museum hat sich als Ziel für Ausflüge und Studienfahrten in ganz Bayern und für alle Bevölkerungsschichten fest etabliert! Es ist das geworden, was Lothar-Günther Buchheim immer gewollt hat: ein Volksmuseum.

Damit erfüllt das Buchheim Museum eine wichtige Aufgabe in unserer Gesellschaft: Kunst und Kultur bleiben in ihrer Wirkung nicht auf die Museumsmauern beschränkt. Sie werden in unsere Gesellschaft hineingetragen. Auf diese Weise wirken auch die Werte und die Prinzipien der Kultur in die Gesellschaft hinein. Vor allem den jungen Leuten werden so Bereiche eröffnet, die das Leben jedes einzelnen ergänzen und vervollständigen: Die Kunst regt die Phantasie an. Sie inspiriert und macht kreativ. Sie irritiert aber auch und stellt vermeintlich Unumstößliches in Frage. Kunst und Kultur spiegeln die Gesellschaft und treiben sie gleichzeitig voran. Je sicherer sie verankert sind, desto besser ist das für die Gesellschaft.

Als Ministerpräsident fühle ich mich für die Menschen verantwortlich, die hier leben. Es soll den Menschen gut gehen in Bayern. Dafür sind die so genannten "harten" Standortfaktoren sehr wichtig: Die Leute müssen eine Arbeit haben, sie müssen sich auf ein gutes Gesundheitssystem verlassen können, sie brauchen eine gute Infrastruktur. Das Leben besteht aber nicht nur aus Arbeit, Arzt und Autobahn. Wir Menschen brauchen auch Dinge, deren Nützlichkeit sich möglicherweise erst auf den zweiten Blick erschließt, Dinge, die keinen ökonomischen "Mehrwert" haben. Wir Menschen brauchen die Kultur. Sie ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

Die Kunst braucht umgekehrt auch Menschen, die sie fördern, die sie sammeln, die ihr zu Öffentlichkeit und Beachtung verhelfen. Sie bedarf der Unterstützung privater Mäzene ebenso wie der des Staates. Der Freistaat hat in den letzten Jahren für die Museumslandschaft in Bayern sehr viel getan. Sie ist um Museumsbauten von Weltrang erweitert worden. Ich erinnere neben dem "Museum der Phantasie" an das Museum für die Sammlung Schäfer in Schweinfurt, an das Neue Museum für Kunst und Design in Nürnberg oder an die Pinakothek der Moderne. Jährlich kommen über 20 Millionen Besucher in die bayerischen Museumseinrichtungen. Das ist deutschlandweit spitze und beweist einmal mehr: Bayern ist ein Kulturland mit einer reichen Kulturlandschaft. Ich verstehe es als meinen Auftrag, diese Kulturlandschaft zu wahren, zu pflegen und weiter zu fördern.

Meine Damen und Herren, das "Frachtgut", das zuletzt aus dem Fundus der Sammlungen Buchheim zutage gefördert worden ist, besteht aus einer bedeutenden Sammlung französischer Plakatkunst aus der Zeit der so genannten Belle Époque. Frau Dr. Segieth hat gemeinsam mit ihrem Team Plakate von Chéret, Steinlen, Toulouse-Lautrec und anderen Meistern zu einer bisher nicht dagewesenen Ausstellung komponiert.

Es ist kein Zufall, dass Lothar-Günther Buchheim sich für die Kunst der Jahrhundertwende interessierte. Das, was man in Deutschland "Jugendstil" nennt, ist so verschiedenartig und heterogen, dass genaue Festlegungen nicht möglich sind. Buchheim selbst hat in seinen wissenschaftlichen Arbeiten jede Art von Festlegung vermieden. Diese Heterogenität bedeutet aber gleichzeitig auch große künstlerische Freiheit. Erlaubt war, was gefällt. Gerade das musste bei Buchheim besonderen Gefallen finden: Er war ja auch ein Sammler und Künstler, der sich diese Freiheit gerne vorbehalten hat. Dass der Zeit um 1900 seine Sympathie galt, ist daher nur nachvollziehbar.

Auch das Streben der Belle Époque-Künstler nach Neuem muss Buchheim magisch angezogen haben. Toulouse-Lautrec, Chéret, Steinlen und wie sie alle heißen, haben um einen neuen Kunstbegriff gerungen. Einen Kunstbegriff, der auch die so genannte angewandte Kunst bis hin zum banalen, industriell produzierten Gebrauchsgegenstand einschloss. Das war nicht nur etwas Neues. Das war auch frech. Das war revolutionär und umstürzlerisch. Mit einem Wort: Das war genau das Richtige für Buchheim.

Für ihn stellte sich die Epoche in den Plakaten am reinsten und am deutlichsten dar. Buchheim schreibt: "Alle Strahlungen der Zeit erscheinen in den besten Plakaten des 'Jugendstils' wie vom Brennglas gesammelt." Die "Strahlungen der Zeit", das ist neben den künstlerischen Ausprägungen auch der Geist der Epoche: Die Anziehungskraft der großen Städte, allen voran von Paris, die Fortschrittsgläubigkeit der Menschen, das Laster, der Sittenverfall, das "Moulin Rouge", Prostitution, Glücksspiel und Absinth. Als Innenminister wäre ich wahrscheinlich aufgefordert worden einzuschreiten.

Noch ein Punkt, der auf eine Verbindung zwischen den Künstlern der Jahrhundertwende und Lothar-Günther Buchheim verweist: Das Plakat schien als Medium der Litfasssäule ein geeignetes Mittel zu sein, um die neue Kunst massenweise unter die Leute zu bringen. Man wollte eine "Kunst fürs Volk". Eine Kunst, die ihren Ort nicht in den Museen und Galerien, sondern auf der Straße hatte. Sie merken es: Auch darin stimmte Buchheim mit seinem Plan von einem "Museum fürs Volk" völlig überein. Gerade die Sonderausstellung, die wir jetzt dann eröffnen, spiegelt also in ganz besonderer Weise die Konzeption dieses Museums wider.

Machen wir uns also heute noch einmal bewusst: Das Buchheim Museum ist ein Glücksfall. Ein Glücksfall für den verstorbenen und leidenschaftlichen Lothar-Günther Buchheim. Ein Glücksfall für uns alle, die wir heute hier sind. Ein Glücksfall für ganz Bayern und ganz Deutschland.

Lassen Sie mich erneut Picasso bemühen: "Das Geheimnis der Kunst liegt darin, dass man nicht sucht, sondern findet." Dieses Motto könnte wieder von Buchheim sein und für das gesamte "Museum der Phantasie" stehen. Es soll jetzt aber im Besonderen das Motto der neuen Ausstellung sein. Ich wünsche Ihnen daher, dass Sie auf Ihrem Rundgang durch die "Belle Époque" eine Menge finden und eine Menge erleben. "Finden" im Sinne Picassos, "erleben" im Sinne Buchheims.

Hiermit erkläre ich die Ausstellung für eröffnet. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!


Der Bayerische Ministerpräsident Dr. Günther Beckstein im Buchheim Museum. Foto: Buchheim Museum.

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