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Fernand Léger - Joan Miró

Aquarelle, Lithographien, Radierungen - Sammlung Buchheim

20. November 2008 bis 19. April 2009

Pressemeldung, 16.11.2008

Nach Ausstellungen mit Werken von Chagall, Picasso und den Maîtres d'Affiche -wie Toulouse-Lautrec, Chéret und Steinlen - stellt das Buchheim Museum nun einen weiteren Komplex mit Arbeiten französischer Klassiker aus der Sammlung Buchheim vor.

Die Sonderschau "Fernand Léger - Joan Miró", die über 100 Arbeiten vorwiegend aus den späten 1940er und den 1950er Jahren zeigt, konfrontiert zwei Künstler miteinander, deren Schaffen Gemeinsamkeiten, aber auch unterschiedliche Positionen aufweist. Im Zentrum stehen zwei Werkgruppen: Légers "Cirque" (1950), eines der schönsten Künstlerbücher und Mappenwerke der Moderne überhaupt, und ein Zyklus von acht großformatigen Lithographien von Joan Miró aus dem Jahr 1955.

Den Text zu "Cirque" hat Léger selbst verfasst, nachdem ihm der von Henry Miller geschriebene nicht gefiel. Millers Erzählung erschien später unter dem Titel "Das Lächeln am Fuße der Leiter" mit Illustrationen von Miró. Warum das Buchheim Museum sogar Vorstudien zu "Cirque" zeigen kann, erläuterte Buchheim 1989:

" ... Aber jetzt muß ich Ihnen erzählen, wann ich Léger und Miró begegnet bin. Das waren vor allem die Jahre nach 1950, eine großartige Zeit. Ich war fast mehr in Paris zu Hause als hier. Ich hatte Zugang zum Atelier von Braque, durch Hartung auch zum verwaisten Atelier von González.

Am häufigsten aber besuchte ich Léger. Ich hatte für diesen Mann sofort die allergrößte Sympathie. Er kam mir gar nicht vor wie ein Maler, auch nicht wie ein Franzose. Er war für mich der Amerikaner grobschlächtig, ein großer Kerl. Er trug meistens Jacketts mit ganz großem Karo ... Bei Léger habe ich in seinem Atelier sehen können ..., in dem damals schon riesige Leinwände mit den Konstrukteuren standen, wie es ihn drängte, die immer geschlossenere, immer abstrahierendere Form zu finden. Seine Zirkusarbeiten haben mich vor allem aufgeregt. Und dann begab sich etwas Wunderbares: Die Zirkusskizzen, das heißt die Blätter, die das große Werk "Cirque" vorbereiteten ..., diese Blätter waren auf dem Fußboden verstreut, und ich guckte sie mir intensiv an. Und was geschah? Fernand Léger schenkte sie mir so, wie sie dalagen. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, was für ein Glück das damals für mich bedeutete. Heute sind es wertvolle Inkunabeln - sie könnten in Légers Werk nicht kostbarer sein."

Beide - Léger wie Miró - lieben leuchtende Farben. Doch während Léger die Farbe plakativ einsetzt und seit seinen amerikanischen Jahren Zeichnung und Farbe trennt, indem er mit autonomen Farbfeldern agiert, ist Mirós Palette ungleich differenzierter. Das meisterhafte Blatt, das Miró 1953 zum hundertjährigen Bestehen der Druckerei Mourlot schuf, zeigt nicht nur eine Vielfalt nuancierter Farbtöne, sondern verdeutlicht auch Mirós experimentierfreudigen Umgang mit dem Medium Lithographie: Die Strukturen des grünen Fonds beispielsweise gewinnt er durch Abklatsch eines Gewebes und mit den Fingerspitzen bringt er Punktreihen aber auch ganze Farbfelder auf, zeichnet feine Linien mit der Feder etc. - Léger hingegen bleibt der klassische Maler und sein Werkzeug beschränkt sich auf Pinsel und Lithokreide.

Ganz unterschiedlich sind die Formenwelten beider Künstler: Légers Bildgegenstände sind klar begrenzt und in den Lithographien zu "Cirque" übernimmt der Kreis, das Runde, eine leitmotivische Funktion. Mirós Formfindungen hingegen sind offen, durchlässig, transitorisch, wirken organisch, wie gewachsen. Dabei ist Mirós Arbeitsweise intuitiv und assoziativ, und er lässt sich vom Zufall inspirieren.

Miró hat bekanntlich unter dem Eindruck des Surrealismus eine ganz eigene, poetische Bildsprache mit Zeichen und Fabelwesen entwickelt, die sich einer konkreten Deutung entzieht. Michel Leiris empfahl, Mirós "Werken ohne Vorurteil zu begegnen und die Augen in sie einzutauchen als wäre es klares Wasser, die Pupillen damit reinzuwaschen." Léger aber, der sich nach seiner kubistischen Phase ab Mitte der 1920er Jahre dem Gegenstand zuwandte, verstand seine Bilder als Gleichnisse der modernen Welt und vom Leben im technischen Zeitalter, im Spätwerk auch als Vision kollektiver Glückseligkeit.

Interessant ist, dass beide Künstler, die seinerzeit in den Vereinigten Staaten durch große Ausstellungen gefeiert wurden, selbst ins Spannungsfeld der neuen Welt gerieten: Bei Léger, der 1940 bis 1945 in die USA exilierte, schlägt sich dies vor allem in einem experimentellen Umgang mit Raum und Figur nieder, was auch in den Lithographien zu "Cirque" spürbar wird. Miró hingegen, dies zeigt eine Reihe von Radierungen, wurde unmittelbar vom Abstrakten Expressionismus angeregt.

Dr. Clelia Segieth
Kuratorin des Buchheim Museums


Weitere Informationen

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft mit Texten von Lothar-Günther Buchheim und anderen zum Preis von EUR 9,90. Zudem können Sie das Plakat zur Ausstellung für EUR 5,00 erwerben

Link

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